• WM-Hooligan: 24-Jähriger soll vor Angriff auf französischen Gendarm mit Ecstasy gedealt haben

Berlin : WM-Hooligan: 24-Jähriger soll vor Angriff auf französischen Gendarm mit Ecstasy gedealt haben

Peter Murakami

Christopher R. gehörte zu jenen Hooligans, die im Sommer 1998 während der Fussballweltmeisterschaft den französischen Polizisten Daniel Nivel zum Krüppel prügelten. Er wurde im November 1999 wegen gemeinsamer schwerer Körperverletzung zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Jetzt muss sich der 24-Jährige vor dem Berliner Landgericht auch wegen Drogenhandels verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, im Juni 1998 rund 500 Ecstasy-Tabletten erworben und weiterverkauft zu haben.

Darüber hinaus sollte Christopher R. - seinem eigenen Geständnis zufolge - für den in einem anderen Verfahren gesondert verfolgten Mario W. ein Kilogramm Kokain aus Amsterdam holen. Als Motive gab er Neugierde, seine Drogensucht und die Hoffnung auf einen Job bei Mario W. an. Der Deal wurde vor dem brutalen Übergriff auf den französischen Polizisten David Nivel im französischen Lens geplant. Er scheiterte, weil Christopher R. vor der Fahrt nach Amsterdam wegen des Verbrechens an dem französischen Polizisten festgenommen wurde. Am Dienstag, dem zweiten Verhandlungstag, befasste sich die 33. Große Strafkammer mit dem gegen Christopher R. ergangenen Urteil aus dem Essener Verfahren. Gleich zu Verhandlungsbeginn verkündete die Verteidigung die Revisionsrücknahme, wodurch das im vergangenen Jahr ergangene Urteil gegen R. rechtskräftig ist.

In der Urteilsbegründung, die auch die Hintergründe des Verbrechens an Daniel Nivel schildert, wurde Christopher R. als Mitglied des harten Kerns von Hooligans bezeichnet. Diese Gruppe, von Polizeiexperten als C-Fans bezeichnet, treffe sich regelmässig bei Fussballspielen, zu streng reglementierten Großschlägereien. Wie der Vorsitzende Richter ausführte, würden die Regeln, keine anderen Gegenstände als Regenschirme und mit Blei präparierte Handschuhe gegen Gegner einzusetzen, immer seltener eingehalten. So habe die Gruppe um Christopher R. sogar mit einem Holzschild auf den am Boden liegenden Polizisten eingeschlagen, bis er sich nicht mehr rührte.

Mittlerweile wirkt der Angeklagte mit dem dunkelblonden Bürstenhaarschnitt geläutert. Beinahe schüchtern räumte er einen Teil der ihm zur Last gelegten Tatvorwürfe ein und schilderte seine Karriere als Türsteher, Drogenkurier und Drogenkonsument. Er erzählte, wie er bereits im Alter von 18 Jahren als Türsteher in Discos anheuerte. Seine Bilanz aus dieser Zeit gipfelte in der Erfahrung, dass der, der "die Tür" kontrolliert, auch die Drogen kontrolliert.

Christopher R. trank immer mehr. Die Folgen der Trinkexzesse waren bald nur noch mit Aufputschmiteln in den Griff zu kriegen. Der Konsum von Amphetaminen habe den von "Downern" nach sich gezogen, damit er anschliessend wieder habe einschlafen können. Irgendwann sei er schliesslich auch in den Handel mit Drogen eingestiegen. Ein Unternehmen, das Christopher R. im Nachhinein als "finanziellen Flop" bezeichnete, weil ihn seine Kunden ohne Bezahlung sitzen ließen. Am Schluss habe er seine Lieferanten nicht mehr bezahlen können, so dass er auf einem finanziellen Defizit sitzen geblieben sei.

Der Prozess vor dem Berliner Landgericht wird am 17. Juli mit der Verlesung des gegen Christopher R. in Essen ergangenen Urteils fortgesetzt.

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