Berlin : WM schauen macht durstig

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Die Bierbar „Steppender Bär“ will ihrem n am Sonntag alle Ehre machen – wenn in Japan Deutschland gegen Brasilien kickt. Normalerweise versammeln sich in der Kneipe in der Friedrichshainer Welserstraße die Formel-Eins-Fans vorm Fernseher. Doch am Sonntag wird alles anders. „Da gibt’s nur Fußball“, sagt Inhaber Hartmut König. Acht Fässer Bier hat er nur für den finalen Fußballtag geordert, das sind fünf zusätzlich. Außerdem stehen kistenweise Kristall- und Hefeweizen kalt, die hat er sonst gar nicht im Sortiment.

In Kruses Sportsbar im S-Bahnhof Jannowitzbrücke hat man „reichlich mehr“ Bier als sonst angeschafft. Das Hard Rock Café an der Meinekestraße in Charlottenburg hat seinen Vorrat um vier 50-Liter-Fässer aufgestockt, das Australische Restaurant „Never Never Land“ an der Cranachstraße in Schöneberg kalkuliert ähnlich: „vier bis fünf Fässer für das WM-Finale in Reserve“.

Zuschauen macht durstig. Das weiß auch der Vertrieb der Schultheiss-Brauerei. „An Spieltagen liefern wir durchschnittlich 10 bis 15 Prozent mehr aus“, sagt Marketingleiterin Bettina Pöttken. Bei der – in Berlin am meisten getrunkenen – Marke Berliner Pilsner ist der Abverkauf fast weltmeisterlich: 18 Prozent mehr als sonst wurde aus Fässern in Berlins Kneipen gezapft. Vor allem in Gaststätten mit „Premiere“-Dekoder wird der Kundschaft dieser Tage kräftig eingeschenkt. „An die liefern wir zehn bis zwanzig Prozent mehr Bier als üblich“, sagt Alfred Glaser vom „Bier- und Brause Depot“ in Buckow. Erwin Rössler, einer der führenden Großhändler weiß : Statt zu Hause trinken die Leute nun eher in der Kneipe.

Wenn die Deutschen als frisch gebackene Weltmeister am Sonntag vom Bildschirm weg auf die Straße stürmen sollten, ist die Stadt für den Freudentaumel gerüstet. Die Polizei-Direktion will noch einmal eine „Jubelplattform“ in der West-City einrichten. Wer bei der Stadtreinigung Dienst hat, kommt nicht zum Fußballgucken. „Nach dem Feiern wird geputzt“, sagt BSR-Sprecher Bernd Müller: Dann geht eine „mobile Einsatztruppe“ an den Start. Die Kosten trägt die Stadt.

Das Nachsehen haben am Sonntag Gäste und Mitarbeiter im Fernsehturm-Restaurant. Dort oben hat man einen extrem schlechten Empfang. Ganz anders im „Steppenden Bär“. Für jedes Tor der Deutschen will der Wirt einen ausgeben. kög / vv / weso

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