WM-Tourismus : Platzeck wirft Heye Verunglimpfung vor

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat eine Äußerung des früheren Regierungssprechers Uwe-Karsten Heye scharf kritisiert. Heye hatte gesagt, für farbige WM-Touristen bestünde in Teilen von Berlin und Brandenburg Lebensgefahr.

Berlin/Potsdam - Der ehemalige Regierungssprecher der rot-grünen Bundesregierung, Uwe-Karsten Heye, hat mit einer Warnung an dunkelhäutige WM-Gäste vor einem Besuch in Brandenburg für Empörung gesorgt. "Dies ist eine Verunglimpfung ganzer Regionen in Brandenburg, die durch nichts zu rechtfertigen ist", erklärte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Mittwoch in Potsdam. Der brandenburgische CDU-Generalsekretär Sven Petke nannte die Äußerungen skandalös. Unterstützung bekam Heye dagegen vom Vorsitzenden des Bundestagsinnenausschusses, Sebastian Edathy (SPD).

In einem Interview im Deutschlandradio Kultur hatte Heye zuvor dunkelhäutige WM-Gäste vor Reisen in bestimmte Gegenden Berlins und Brandenburgs gewarnt. "Es gibt kleine und mittlere Städte in Brandenburg und anderswo, wo ich keinem, der eine andere Hautfarbe hat, raten würde, hinzugehen. Er würde sie möglicherweise lebend nicht mehr verlassen", sagte Heye dem Sender. Als Vorstandsvorsitzender des Vereins "Gesicht zeigen! Aktion weltoffenes Deutschland" forderte Heye die Politik zudem auf, fremdenfeindliche Überfälle nicht zu bagatellisieren.

Platzeck warf Heye vor, mit seinen Aussagen niemandem zu helfen und "die erheblichen, auch von Erfolgen gekennzeichneten Bemühungen in Brandenburg um mehr zivilgesellschaftliches Engagement" zu gefährden. Gegenüber dem brandenburgischen Regierungssprecher Thomas Braune habe Heye seine Aussagen als "zugespitzt" bedauert, berichtete Platzeck. "Ich habe kein Bundesland stigmatisieren wollen", sagte Heye demnach. Dabei habe er zudem das brandenburgische Engagement gegen Rechtsextremismus gelobt.

Petke warf dem einstigen Regierungssprecher von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vor, "von allen guten Geistern verlassen zu sein". Er zeichne "ein Bild von Brandenburg und seinen Bürgern, das mit der Realität nichts zu tun hat", erklärte Petke. Brandenburg sei ein sicheres Land, das sich zur Fußball-WM "einmal mehr als weltoffen und sehr gastfreundlich präsentieren" werde.

Edathy verteidigte Heye dagegen gegen die Kritik. "Ich kann die Warnung durchaus nachvollziehen", sagte Edathy dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Donnerstagsausgabe). "Hier ist nicht der Bote schuld an der Botschaft." Er selbst habe eine etwas dunklere Hautfarbe und würde sich nachts nicht in die S-Bahn nach Berlin-Treptow setzen. In Brandenburg kämen vier rechtsextreme Gewaltdelikte auf 100.000 Einwohner, in Rheinland-Pfalz seien es bloß 0,5. (tso/AFP)

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