Berlin : WMF: Nomaden der Nacht

Esther Kogelboom

Heike Ollertz ist eine Dokumentarin, und zwar eine sehr genaue: Die HdK-Studentin hat das WMF erforscht. Seit 1995 fotografiert sie den Club, seit 1998 macht sie auch Videoaufnahmen. Die Ausstellung "The making of WMF" ist ein Teil ihrer Abschlussarbeit und zur Zeit in der Transfergallerie zu sehen. "Ich bin eigentlich keine Clubgängerin", sagt sie. "Aber das WMF fand ich immer gut, weil es Inhalte rüberbringt. Im Tresor kann man sich nur vollhämmern lassen." Und während der Tresor sich krampfhaft an einen Ort klammere, sagt sie, sei das WMF nicht nur räumlich ständig in Bewegung.

1990 wurde der Club mit der Besetzung des leer stehenden Stammhauses der Württembergischen Metallwaren Fabrik an der Mauerstraße gegründet. Von da an zog das Berliner Club-Goldstück umher, die Betreiber nutzten nicht selten Zwischennutzungsverträge brachliegender Immobilien. Heike Ollertz wanderte mit, fotografierte die richtungsweisenden Interieurs, fotografierte und interviewte Barleute, Türsteher und DJs, machte Videoaufnahmen von den letzten beiden großen Nächten in der Johannisstraße. Dabei entstand auch der Videoloop "Rotor WMF" für den Club-Auftritt während der Länderwoche Berlin auf der Expo.

So finden sich in der Galerie auf engstem Raum kleinformatige Porträts der WMF-Belegschaft, eine Art Informationsbar, die der Künstler F.R.E.d. Rubin entwarf, der sich unübersehbar dem DDR-Design der 60er und 70er Jahre verschrieben hat. Der Mann mit dem komplizierten Namen war es auch, der die mittlerweile legendäre Bar aus dem Palast der Republik in den Räumlichkeiten des dritten WMF in der Burgstraße installiert hat. Eine weitere Künstlergruppe aus dem Dunstkreis des Clubs, visomat inc., brachte in der Galerie Kameras an, die die Besucher auch für Passanten sichtbar werden lassen: Auf einem Monitor wird das Geschehen im Raum draußen erkennbar.

Trotz aller multimedialen Möglichkeiten wird Heike Ollertz, die mit den Machern des nomadenaften WMF inzwischen befreundet ist, der Fotografie treu bleiben: "Nur mit der Kamera kann ich autonom arbeiten." Aber welche Variante des Clubs ihr am besten gefallen hat, darauf möchte sie sich nicht festlegen. "Es heißt ja immer", meint sie, "dass der jeweils letzte Ort der Schönste war."

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