Wo Berliner regieren : Berliner Bürgermeister in anderen Städten

Michael Müller übernimmt am Donnerstag das Rote Rathaus. Doch er wird nicht der einziger Berliner sein, der dann regiert. Diese sechs sind schon jetzt an der Macht - nur in anderen Städten.

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Berliner regieren nicht nur in ihrer Heimatstadt.
Berliner regieren nicht nur in ihrer Heimatstadt.Foto: dpa / Rolf Haid

Umweltbürgermeisterin in Mannheim

Felicitas Kubala, 58, Grüne
Lieblingsort in Berlin: Im Ruderboot auf der Havel
Schönste Berlin-Erinnerung: Ohne Frage die Wiedervereinigung
Berlin in einem Wort: Heimat (bevor ich nach Mannheim ging, natürlich!)
Was ist in Mannheim besser als in Berlin? Die Gestaltungsmöglichkeit, finanziell wie politisch
Wie bestellen Sie Brötchen? Da passe ich mich an: In Mannheim keine Schrippe!
Mannheim verhält sich zu Berlin wie... zwei Schwestern zueinander

Der Anruf aus Mannheim kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Zehn Jahre lang hatte ich im Abgeordnetenhaus von Berlin für die Grünen Oppositionspolitik gemacht – da war ein Wechsel nötig. Nach zehn Jahren Opposition sind die Gestaltungsmöglichkeiten als Bürgermeisterin natürlich super.

Aufgewachsen bin ich in Spandau und habe dann lange Zeit in Kreuzberg gelebt; die letzten 15 Jahre dann in Prenzlauer Berg. Von da aus bin ich häufig ins Abgeordnetenhaus gelaufen. Ob an der Spree oder an Rhein und Neckar: Ich lege gerne Wege zu Fuß zurück.

Als ich den Job angenommen habe, wusste ich, man nennt Mannheim auch „Quadratestadt“. Ich wusste, dass die Rhein-Neckar-Metropolregion ein Industriezentrum ist und dass der ICE hier hält. Ich hatte aber keine Ahnung, dass es hier so grün ist. Gleichzeitig ist die Stadt sehr urban. In Berlin spricht man immer vom Wegfall der Arbeitsplätze in der Industrie. Hier gibt es sie noch, inklusive der daran hängenden Dienstleister und Forschungseinrichtungen.

Berlin hat einen sehr guten Ruf in Mannheim

In Mannheim ist das Bürgermeisteramt mit sehr vielen repräsentativen Auftritten verbunden: Grußworte, Ansprachen vor Vereinen – zeremonielle Anlässe. Das ist durchaus mit Wowereits Amt vergleichbar, von dem auch eine sehr hohe Präsenz erwartet wird.

Ich habe mich schnell an das Leben hier gewöhnt. Die Menschen hier sind sehr offen. Da sind sie den Berlinern nicht unähnlich. Es stößt manchmal noch auf Unverständnis, warum jemand von Berlin nach Mannheim kommt – häufiger ist es ja andersrum. Berlin hat einen sehr guten Ruf hier.

Ich finde den Unterschied zwischen meiner neuen und alten Heimat nicht sehr groß. Natürlich ist es ein Unterschied, ob eine Stadt 300.000 oder drei Millionen Einwohner hat – Mannheim und Berlin teilen sich jedoch die Urbanität. Ich glaube, Berlin und Mannheim sind sich ähnlicher als Mannheim und Heidelberg – obwohl das direkt nebenan liegt. Dort gibt es die Altstadt, das Schloss; es ist ruhiger, touristischer, bürgerlicher. Mannheim lebt von seinem urbanen Zentrum, seiner lebhaften Kulturszene. Ich bin eine sehr anspruchsvolle Kulturliebhaberin und komme hier auf meine Kosten – ob in Oper, Theater oder Ballett.

Wowereit hat das Berliner Lebensgefühl verkörpert

In Berlin bin ich auch ab und zu; ich habe dort Familie und Freunde. Wenn ich dort bin, gehe ich rudern. Ich nutze auch die Kulturangebote, allein schon die tollen Ausstellungen.

Ich bin überzeugt, dass Michael Müller eine solide Politik für Berlin machen wird. Ich habe großen Respekt davor, dass er das Amt übernimmt – zumal es nicht einfach ist, in Klaus Wowereits Fußstapfen zu treten. Er hat das Lebensgefühl der Stadt sehr gut verkörpert und mitgeprägt. Aber es ist auch sehr klug von ihm, jetzt den Wechsel zu machen, bevor es zu einer Zerreißprobe gekommen wäre. Mich als Berliner Bürgermeisterin kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Auf absehbare Zeit bleibe ich in Mannheim.

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