Berlin : Wo die kleine Marlene Dietrich die große Henny Porten anhimmelte

Andreas Conrad

Die Patientin trug einen berühmten Namen, aber war es auch die Richtige? „Marlene Dietrich.“ Vor zwei Jahren war eine alte Gynäkologenpraxis in der Steglitzer Grunewaldstraße 6 renoviert worden, und in einem lange vergessenen Wandschrank fand man Holzkästen mit vergilbten Patientenkarten, darunter auch die einer Frau Dietrich. Sollte etwa ... Es war kaum zu glauben – bis eines Tages eine alte Dame die Praxis besuchte, Witwe des Frauenarztes, der in den 20er und 30er Jahren in den Räumen praktiziert hatte. Die Dietrich? Ja, auch sie habe zu seinen Patientinnen gehört.

In der Biografie einer Diva haben Name und Adresse ihres Frauenarztes in der Regel nichts zu suchen, in einem Werk, das minutiös deren Wege durch eine Stadt nachzeichnet, aber schon. Zumal,wenn damit ein solch kurioses Detail verbunden ist. Zu 56 Orten führt Birgit Wetzig-Zalkind in ihrem Buch „Marlene Dietrich in Berlin“, beginnend beim Geburtshaus in der Schöneberger Leberstraße bis zum Friedhof in der Friedenauer Stubenrauchstraße. Sie benennt Wohnungen, in denen die Dietrich gewohnt, Lokale, die sie besucht hat, Bühnen, auf denen sie aufgetreten ist, und selbstverständlich auch Kinos, die in ihrem Leben eine Bedeutung hatten. Sei es der Mozartsaal am Nollendorfplatz, das heutige „Goya“, wo sie als Schulmädchen bei Premieren Henny Porten anhimmelte, bis zum alten Gloria-Palast am Kurfürstendamm, in dem am 1. April 1930 „Der blaue Engel“ Premiere hatte. So wird das Buch zu einem chronologisch geordneten Streifzug durch die Heimatstadt Marlene Dietrichs, reich an Informationen und Anekdoten, verwendbar als Berlin-Biografie eines Weltstars, als Adressen-Nachschlagewerk und, mit zwei Karten ergänzt, als Anleitung zur Stadtrundfahrt.

— Birgit Wetzig-Zalkind: Marlene Dietrich in Berlin. Wege und Orte. Mit einem Vorwort ihrer Tochter Maria Riva. Edition Gauglitz, Berlin. 200 Seiten, zahlreiche Fotos, 17,90 Euro.

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