Berlin : Wo die Lämmer locken

Zu Ostern kann man im Zoo und Tierpark die Frühlings-Tiere bestaunen

Text: Heidemarie Mazuhn

Noch sind die Sträucher und Bäume rechts und links der Zoowege mit nur zaghaft sprießenden Knospen dem meteorologischen Frühling weit hinterher. Doch gleich hinter dem Elefantentor breiten sich die Narzissen aus und bringen auch in den Zoologischen Garten ein bisschen Aufbruchstimmung.

Um das sprießende Grün nach dem langen grauen Winter genießen zu können, muss man aber offenbar ein bestimmtes Alter erreicht haben. Den kleinen Zoobesuchern ist das Blühen egal. Die Mädchen und Jungen haben allein Augen für das Junggetier im Tierkinderzoo. Einige toben beim vorösterlichen Spaziergang kreischend auf dem Leiterwagen im Hof herum – die Mädchen am lautesten. „Olé, olé, olé, olé“, übt eine Kleine wohl ihren Einsatz an Papas Seite zur bevorstehenden Fußball-WM.

Meckernd gibt ein Kamerunschaf seinen Kommentar zu dem Trubel ringsumher – ein anderes Schaf döst vor sich hin, unter sich ein eifrig trinkendes Jungtier. Die Zwergziegen nebenan haben zu tun, den zwischen ihren Beinen umherspringenden Nachwuchs in die Schranken zu weisen. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass eines der kecken Zicklein hoch in die Luft gewirbelt wird. Die Moorschnucken halten gerade Siesta. Noch im Schlaf hält eines der Jungtiere krampfhaft das Köpfchen hoch, als wolle es nichts verpassen.

Zoologisch unkundige Städter haben im Tierkinderzoo ein Problem. Nicht an den Gehegen, sondern zentral auf einer Tafel sind die jungen Bewohner abgebildet und erklärt. Was dazu führt, dass der Tierpfleger kaum zum Osterputz im Revier kommt, weil er so viel erklären muss. Schließlich will jeder von ihm wissen, was das denn für „süße Tiere da hinten“ sind.

In der Fasanerie ist die Sache klar – flaumige Osterküken purzeln, picken, scharren unter Rotlicht munter umher. Vor 28 Tagen kamen die Eier in den Brüter, damit das mit dem traditionellen Osterauftritt der Küken klappt. Die drei südamerikanischen Schopf-Karakaras, die sich in der Fasanerie trotz wärmender Lampe eng aneinander drücken, erblickten im Februar das Licht. Fünf Mal täglich werden jedem von ihnen dort ein bis zwei kleine Mäuse serviert.

Im Tierpark Friedrichsfelde sind die Wege mit Blausternchenteppichen und ersten Veilchenbüscheln gesäumt. Hier gehören neben Küken, Lämmern und den Skudden – so heißt die kleinste deutsche Schafsrasse – traditionell auch „Rote Sachsen“ zum Osterangebot. Der jüngste Vertreter dieser geselligen Kaninchenrasse passt auf eine Hand.

Wie im Zoologischen Garten gibt es auch in dem 160 Hektar großen Tierpark Friedrichsfelde nicht nur typisches Osterjungvolk zu entdecken. Bei den Vietnam-Sikahirschen möchte man den vierfachen Nachwuchs am liebsten auf den Arm nehmen. „Wie mein Bambi sehen die Kleinen aus“, jubelt ein kleines Mädchen am Gehege. Die seltene Hirschart ist in ihrem Heimatland fast ausgerottet und steht dort jetzt unter strengstem Schutz. Aber auch eine stabile Population in Menschenobhut ist zum Überleben der Vietnam-Sikas wichtig, für die der Tierpark das internationale Zuchtbuch führt.

Den am 11. April geborenen jüngsten Bewohner des Friedrichsfelder Tierparks könnte man nicht tragen – man möchte es auch nicht. Wer legt sich schon mit der Bisonfamilie an, die da gewichtig auf ihrem riesigen Revier im Schlamm rumtrampelt. Den im Januar geborenen Amur-Leoparden „Darius“ würde dagegen so mancher gern knuddeln, vom aktuellen Tierparkliebling, dem Elefantenbaby „Kariba“ ganz zu schweigen.

Das am 17. März zur Welt gekommene afrikanische Elefantenmädchen nimmt den winzigen Rüssel schon ganz voll. Die Jungelefantin wog bei ihrer Geburt 97 Kilo und maß 86 Zentimeter. Jetzt tobt sie wild um ihre 21-jährige Mutter „Sabah“ herum. Man könnte ihr noch stundenlang zusehen. Der Abschied fällt nicht nur den Kindern schwer.

Öffnungszeiten zu Ostern: Zoologischer Garten jeweils von 9 bis 18 Uhr 30, Tierpark jeweils von 9 bis 18 Uhr. An diesem Sonntag gibt es dort jeweils ein Osterhasen-Suchspiel.

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