Berlin : Wo die Stars genudelt werden

Italienisch läuft immer: Dies sind die Prominenten-Treffpunkte der diesjährigen Berlinale-Saison

Bernd Matthies

Wenn Prominente Hunger haben, dann verhalten sie sich nicht sehr viel anders als die Berliner Normalfamilie. „Italienisches Essen mögen alle“, sinniert Massimo Mannozzi, der das Prinzip Prominentenlokal für Berlin vor über drei Jahrzehnten mehr oder weniger erfunden hat – die junge Gina Lollobrigida lächelt bis heute von sanft vergilbten Fotos, die die Wände des „Bacco“ in der Marburger Straße wie eine Tapete bedecken.

Zwar hat sich Berlin gewandelt und mitsamt der Berlinale in Richtung Osten verschoben – aber die Familie Mannozzi ließ sich die Versorgung der Filmprominenz mit Vitello tonnato und Nudeln mit Trüffeln nicht aus den Händen nehmen lassen: Jetzt ist das „Bocca di Bacco“ in der Friedrichstraße, geleitet von Massimos Sohn Alessandro, zum Lieblingsziel der hungrigen Mimen avanciert, hat das eher von Politik und Wirtschaft frequentierte Borchardt – um die Ecke in der Französischen Straße – für die Dauer der Festspiele offenbar überflügelt. Wim Wenders in der einen Ecke, Herbert Grönemeyer schneit herein, ach, und war das da eben nicht Sigourney Weaver?

Angefangen hat es damit, dass Matt Damon zu Dreharbeiten nach Berlin kam, sich per Zufall im „Bocca di Bacco“ einfand und später in einschlägiger Runde das Lob des eleganten, für Berliner Verhältnisse ungewöhnlich weltstädtischen Restaurants verbreitete. Nein, sagt Alessandro Mannozzi, er tue nichts Besonderes, um an prominente Gäste heranzukommen. Er kenne keine Provisionen für Hotel-Concierges oder andere einflussreiche Vermittler, sondern freue sich über jeden, der von sich aus komme; die Prominenten zahlten auch ihre Rechnungen wie jeder andere Gast. Mannozzi ist ohnehin ein wenig besorgt darüber, dass der Ruf des Prominenten-Restaurants überhand nehmen und die ganz normalen Gäste verschrecken könne. Sein Vater sieht das mit der Gelassenheit des langjährigen Gastgebers: „Wir nehmen uns nichts weg“, sagt er, „auch mein Restaurant ist jeden Abend voll, aber das sind mehr die Filmleute aus der zweiten Reihe“. Vor allem die Italiener, wie sich versteht.

Italienisch läuft auch dort, wo der Boulevard weit ist und vor allem nach ungewöhnlichen Orten gesucht wird. So kam jetzt auch die versteckte „Hostaria del Monte Croce“ zu Medienruhm, weil sich dort das Team des Films „V for Vendetta“mit Hauptdarstellerin Natalie Portman zum Abendessen traf. Auch das Lounge-Restaurant „Spindler & Klatt“ in der Köpenicker Straße wird gern für derlei Veranstaltungen gebucht, doch ansonsten nehmen sich die Prominenten kaum Zeit für Ausflüge nach Kreuzberg .

Denn da sind ja auch noch die Society-Klassiker des alten Berliner Westens zu besuchen, unsinkbar durch alle kulinarischen und gesellschaftlichen Moden hindurch: das „Florian“ am Savignyplatz, wo manch ein Dinosaurier des deutschen Films seine Erinnerungen schweifen lässt, oder die „Paris-Bar“, die trotz Insolvenz offensichtlich kaum Berlinale-Publikum verloren hat. Manchmal fällt Glanz auch auf andere, neue Restaurants, wenn hinter ihnen Macher aus der Filmbranche stehen: So wurde das „Sopranos“ am Kurfürstendamm rasch zum Branchentreffpunkt, weil es von dem Produzent Oliver Berben und Constantin-Vorstand Thomas-Peter Friedl gegründet wurde. Dass das Lokal zum Verkauf steht, tut der Feierlaune offensichtlich keinen Abbruch. Italienisches Essen mögen schließlich alle.

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