Berlin : Wo Euro wirklich Teuro wird

Vor einem Jahr gab es die ersten Starterkits für 20 Mark. Heute sind manche das zigfache wert

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Heute vor einem Jahr schienen wir alle wieder einmal gleich zu sein: Stellten uns bei unserer Bank an und ließen uns für zwanzig Mark einen Klarsichtbeutel mit der „EuroMünzhaushaltsmischung“ geben: das „Starterkit“. Zwanzig neue Münzen zum Betrachten, Betasten, Bereden. Jeder hatte, fast wie bei der Währungsreform, die selbe Menge des neuen Geldes in der Hand – nämlich genau 10,23 Euro.

Inzwischen aber ist Starterkit längst nicht mehr gleich Starterkit. Wer es damals nicht aufgerissen oder anderen zu Weihnachten geschenkt hat, kann es heute sozusagen als „Teuro-Kit“ verkaufen. Für 15 bis 20 Euro – je nach Prägebuchstabe – bietet es etwa der Münzhändler Otto in der Wollankstraße an. Im Internet kann man ein Kit bei www.euromuenzendiscount.de für 17,50 Euro kaufen. Ausnahme: Die in Karlsruhe hergestellten Münzsätze, Prägebuchstabe G, kosten 17,90 Euro, weil sie seltener sind. Im Internet-Auktionshaus Ebay dagegen gehen die Gebote kaum über 13 Euro hinaus, da lohnt sich für den Verkäufer kaum der Aufwand.

Es sei denn, er hat ein ganz besonderes Starterkit zu verkaufen. Eines von denen, die am 17. Dezember 2001 um null Uhr bei einer Festveranstaltung zur Verkaufsbeginn der Starterkits auf dem Börsenplatz in Frankfurt/Main ausgegeben wurde, was ein Aufkleber bezeugt. Davon wurden nur 4000 verteilt, am Montagnachmittag zahlte jemand bei Ebay dafür 91,47 Euro. Wertvoll ist auch ein Starterkit mit Fehlprägungen: 25 Euro will der Verkäufer haben.

Interessanter sind natürlich die Starterkits aus anderen Ländern. Für das finnische zum Beispiel liegt der Preis bei euromuenzendiscount.de bei 129,90 Euro – auch wenn nur 3,88 Euro drin sind. Das französische Päckchen mit 15,24 Euro geht dagegen für relativ moderate 34,90 Euro weg. Und ein richtig gutes Geschäft kann machen, wer vor einem Jahr exzellente Verbindungen zum monegassischen Fürstenhof unterhielt: Für ein Original-Starterkit aus Monaco werden bei Ebay mehr als 1000 Euro verlangt.

„Richtige Sammler kaufen sowieso nicht diese Beutel“, sagt Michael Gietzelt von der „Münzgalerie“ in der Frankfurter Allee. „Darin sind die Münzen doch alle verkratzt, weil sie ständig aneinander schubbern.“ Richtige Sammler kauften Münzsätze, möglichst prägefrisch, nie gebraucht oder abgenutzt.

Heute kann man Euro auch für die Mark ausgeben. Ein kompletter Satz mit allen Münzen vom Pfennig bis zum Fünf-Mark-Stück ist bei Thomas Pollandt im Europa–Center für 50 Euro zu haben, prägefrisch wie am ersten Tag. Gebrauchte Mark nimmt er nicht. Und die silbernenen 10-Mark-Gedenkmünzen, die so viele noch im Schubfach haben? „Ach, hören Sie auf“, sagt Pollandt, „die will keiner kaufen.“ how

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