Berlin : Wo Gott in der Flut zu finden ist

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Normalerweise quälen sich Jugendliche sonntags selten vor elf oder zwölf Uhr aus ihren Betten. Vornehmlich, weil sie sich dann noch von den langen Samstagnächten erholen müssen. Trotzdem fanden sich gestern pünktlich um zehn Uhr etliche zum Gottesdienst im Berliner Dom ein. Das mag daran gelegen haben, dass der Landesbischof Volker Kreß von der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens die Predigt hielt. Er kommt aus Dresden, also direkt aus dem von der Flut betroffenen Krisengebiet.

Im Gottesdienst wurde für eine betroffene Gemeinde in Sachsen gesammelt. Das Geld geht an die Kirche Maria am Wasser, in der Nähe von Pillnitz, in der die Flut zwei Meter hoch stand. Schon vergangenen Sonntag waren 2650 Euro zusammengekommen. Der Berliner Dom hat bei der Restaurierung der im Krieg schwer beschädigten Kuppelmosaiken viel Hilfe erfahren – und ist froh, auch einmal Unterstützung leisten zu können.

In seiner Predigt konstatierte Landesbischof Kreß, Fragen nach den Gründen für derlei Katastrophen hülfen den Betroffenen im Moment wenig. Doch die allgegenwärtige Frage nach Gott stelle sich irgendwann unweigerlich. Die Antwort auf diese Frage, wo Gott sei, sei eigentlich ganz einfach, werde aber nicht gerne gehört. Denn sie laute: Gott begegnet uns in den notleidenden Menschen. Diese Antwort sei unpopulär, weil sie uns selbst in die Pflicht rufe, und wir also nicht der Verantwortung ausweichen könnten. Man dürfe die Opfer der Katastrophe nicht mit den Folgen der Flut alleine lassen. In einer Fürbitte kam zum Ausdruck, dass wir Not nicht dazu verwenden sollten, uns selbst in Szene zu setzen. Ein wichtiger Satz für die Politik. Alice von Hohenlohe

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