Berlin : Wo Lilienthal sein Flugzeug unterstellte Gasthöfe mit Geschichte:

Neuer Führer erschienen

Für Flugpionier Otto von Lilienthal war das brandenburgische Dorf Stölln ein beliebter Ort zum Mittagessen. Von seinen Flugversuchen mit selbst gebauten Apparaten am Gollenberg erholte sich der Erfinder regelmäßig im nahe gelegenen Landgasthof. In dessen Scheunen durfte er sogar seine Flughilfen unterstellen – so mutierte der Dorfkrug zum „Hangar“ Lilienthals. Heute heißt der Gasthof „Zum ersten Flieger“ und ist mehr als ein Jahrhundert später noch immer ein Treffpunkt für Flieger und Flugbegeisterte.

Diese und ähnliche Geschichten haben die Autoren Günter Köhler und Friedhold Birnstiel für den Bildband „Historische Gasthöfe in Berlin und Brandenburg“ zusammengetragen, den sie am Dienstag vorstellten. Auf über 170 Seiten stellen die beiden mehr als 70 historische Gasthäuser in Brandenburg und Berlin vor – von Schlosshotels über alteingesessene Landgasthöfe und Weinstuben bis hin zu Klosterschenken.

„Wir haben nirgends so viele Gasthäuser in Schlössern und Burgen wie in dieser Region“, sagte Köhler. 2001 hatten er und sein Koautor erstmals die Idee, einen gastronomischen Reiseführer für historische Gasthöfe verschiedener Bundesländer auf den Markt zu bringen. Seitdem haben die beiden – neben der Ausgabe über Berlin und Brandenburg – Bücher über traditionsreiche Häuser in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein geschrieben. „Wir haben in sechs Jahren rund 600 Häuser vorgestellt und alle besucht“, sagte Köhler.

Der Band über Berlin und Brandenburg erschien 2002 zum ersten Mal. Für die aktualisierte Fassung reisten Köhler und Birnstiel erneut durch die Region und ihre Gasthöfe – vom Schlosshotel Cecilienhof und dem Krongut Bornstedt in Potsdam über Geheimtipps auf dem Land bis zum Hotel Adlon, dem Opernpalais Unter den Linden oder Clärchens Ballhaus in Berlin.

Eine Liebesgeschichte entdeckten Köhler und Birnstiel in der Vergangenheit des Hotels „Bayrisches Haus“ in Potsdam. Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. ließ das Gebäude vor 150 Jahren im alpenländischen Blockhausstil bauen, damit sich seine bayerische Frau Elisabeth wie zu Hause fühlte. Selbst Gämsen ließ er aus den Alpen nach Potsdam bringen, um seine Liebste über die fehlenden Berge hinwegzutrösten. Heute ist das Haus ein Fünf-Sterne-Hotel.

In der Vergangenheit der Gasthäuser zu stöbern, die Speisekarten und die Umgebung zu erkunden – all das mache „Riesenspaß“, sagte Birnstiel. Längst planen die beiden Autoren die nächste Ausgabe der Reihe, zunächst für Hamburg. ddp

Günter Köhler und Friedhold Birnstiel: „Historische Gasthöfe in Berlin und Brandenburg“, Bebra-Verlag, 24,90 Euro. Im Internet: historische-gasthoefe.de

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