Berlin : Wo Momper seinen Schal versteckt

Auskünfte von Politikern im Internet werden viel gelesen

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Klaus Wowereit verteidigt hier den umstrittenen Werteunterricht, Friedbert Pflüger wirbt für sein Wirtschaftskonzept und der Grünen-Kandidat Jens Augner schreibt einem potenziellen Wähler sogar aus Israel, wo er gerade auf einer Fortbildung ist. Knapp zwei Wochen nach dem Start hat sich der Internet-Dienst Kandidatenwatch.de als elektronisches Gesprächsforum zwischen Wählern und Kandidaten für die Abgeordnetenhauswahl etabliert.

Fast 700 Fragen haben die Wähler ihren Wahlkreiskandidaten inzwischen gestellt, bilanziert Gregor Hackmack, einer der Initiatoren von Kandidatenwatch.de. Immerhin 415 Mal antworteten die Kandidaten auch. Das entspricht einer Quote von 61 Prozent – und liegt weit über dem Rücklauf bei früheren Wahlen. Die gesamte Zahl der Website-Besucher, von denen die meisten die Fragen und Antworten nur lesen, ohne selbst etwas beizusteuern, geben die Kandidatenwatch-Macher mit bislang gut 37 000 an.

Spitzenreiter bei den Themen ist der Verkehr. Mehr als 130 Fragen bezogen sich auf große Verkehrsprojekte wie den Schönefeld-Ausbau, aber auch auf Dauerbaustellen, Schlaglöcher oder den öffentlichen Nahverkehr. Mit rund 100 Fragen liegt das Thema Demokratie und Bürgerrechte auf Platz zwei, dabei ging es zum Beispiel um Bürgerbeteiligung oder um die Rechte von Lesben und Schwulen. Bildungs- und Forschungsfragen wurden am dritthäufigsten gestellt.

Kandidatenwatch.de präsentiert in leicht zugänglicher Weise alle 555 Berliner Direktkandidaten, die am 17. September ins Abgeordnetenhaus wollen. Es wird unterstützt vom Verein Mehr Demokratie e.V. und der Landeszentrale für politische Bildung. Wer wissen will, welche Kandidaten im eigenen Wahlkreis kandidieren, kann dies über eine einfache Suchfunktion ermitteln. Ebenso kann man gezielt Kandidaten heraussuchen, deren Antworten einen interessieren. So wollte ein Wähler von Abgeordnetenhauspräsident Walter Momper (SPD) wissen, wo denn eigentlich sein berühmter roter Schal hängt, den er zum Mauerfall 1989 trug, als er Regierender Bürgermeister war. Die Antwort: „Der hängt im Schrank, denn es ist Sommer.“ lvt

www.kandidatenwatch.de

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