Berlin : Wo Patienten und Nachbarn gärtnern Tagungszentrum Wiese 30 lädt zum Pflanzen ein

Einmal kam eine Studentin vorbei, die dachte, hier seien Guerilla-Gärtner am Werk. Sie packte mit an. Solche Momente freuen Klaus Wittig, Leiter des „Tageszentrums Wiese 30“.

Klienten des Tageszentrums für psychisch Erkrankte reinigen zweimal wöchentlich den Panke-Abschnitt in der Nähe der Einrichtung zwischen Wiesen- und Pankstraße im Weddinger Ortsteil Gesundbrunnen. Außerdem pflegen und bepflanzen sie zwei Beete am Ufer. Das Projekt heißt „We care“, das Tageszentrum ist damit für den Deutschen Engagementpreis 2012 nominiert, der vom Bundesfamilienministerium gefördert wird.

Die Klienten finden nicht nur Beschäftigung, sondern im besten Fall auch einen Weg zurück in die Gesellschaft. Im monatlichen Veranstaltungskalender des Zentrums stehen Ausstellungen, Diskoabende, Candlelight Dinner und Reisen. Wer hierherkommt, ist meist schon lange erkrankt. Menschen zwischen 20 und 70 Jahren, in Behandlung etwa wegen Schizophrenie, Psychosen, Depressionen, Suchterkrankungen. Wenn sie beim Aufräumen Zuspruch und Hilfe von Anwohnern bekommen, tut ihnen das gut, so normalisiert sich der Umgang mit den Nachbarn. Sogar Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) habe schon mitgemacht und „im Dreck gewühlt“, erzählt Klaus Wittig.

Die Idee kam den Mitarbeitern vor fünf Jahren, als sie anfingen, die Baumscheiben vor der Einrichtung zu pflegen. So entstand der Kontakt zum Grünflächenamt, man einigte sich auf den regelmäßigen Einsatz am vermüllten Panke-Ufer. Auch drei Anwohner sind immer dabei. Und am Aktionstag des Tagesspiegels sind alle Interessierten eingeladen, beim Müllsammeln und der Beetpflege mitzumachen. Danach gibt es Kaffee und selbst gemachten Kuchen im Tageszentrum. ffe

Treffpunkt am 15. September ist das Tageszentrum, Wiesenstr. 30, um 14 Uhr. Anmeldungen unter wiese30@kbsev.de

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