Berlin : Wo waren denn die Frauen auf der Parade?

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Auf dem CSD haben gut gelaunte Männer das Bild bestimmt. Wo waren die Frauen?

Die waren auch da. Frauen haben nur nicht so einen starken Drang zur Selbstdarstellung wie die Männer mit freiem Oberkörper oder in Frauenklamotten, die immer auf den Fotos und in den Medien landen. Lesbische Frauen präsentieren sich nicht tittenwippend wie viele Frauen auf der Love Parade und sind daher optisch nicht so interessant.

Aber das kann doch nicht alles sein

Außerdem gelten lesbische Frauen als unattraktiv, lustlos, humorlos und geizig. Schwule Männer dagegen sind charmant, trendsicher, gepflegt und gebildet. Welche Eigenschaften gefallen Ihnen besser? Das Einzige, was da hilft, ist dagegenhalten: Ich bin beispielsweise gut aussehend, charmant und eine gute Partygängerin (lacht).

Der CSD wird oft auch als „Schwulenparade“ bezeichnet. Ärgert Sie das?

Total. Ich finde, das ist eine Schlamperei. Dabei wird die Hälfte der Teilnehmer einfach ignoriert. Die Szene mit den täglichen Partyangeboten hat zwar mehr Angebote für Männer. Aber auf Großveranstaltungen wie dem CSD ist es fifty-fifty. Und das gilt auf der ganzen Welt, ob in Warschau oder in New York. Frauen schauen genauer hin und kommen, wenn richtig was geboten wird.

Können Schwule und Lesben also doch gut zusammen feiern?

Ich finde, das geht sehr gut. Berührungsängste sind weitgehend passé. Die gab es in der Anfangsphase, als sich die lesbische Bewegung noch stark an der Frauenbewegung orientierte. Tatsächlich feiern Männer und Frauen teilweise aber auch sehr unterschiedlich. Das hat mit der Erziehung zu tun. Frauen werden dazu angehalten, ihre Bedürfnisse nicht immer sofort zu befriedigen. Männer nehmen sich, was sie wollen, und geben dafür auch viel Geld aus. Aber natürlich feiern auch viele Lesben die Nächte durch.

Wie feiern Sie lieber?

Gemischt. Ich feiere gerne mit Männern. Außerdem sind auf gemischten Partys die cooleren Frauen. Mit ihnen kommt man dann auch leichter ins Gespräch, weil die Gelegenheit viel unverdächtiger ist als auf einer reinen Frauenparty.

Das Gespräch führte Lena Meier

MANUELA KAY

ist Chefredakteurin von Deutschlands

Lesbenmagazin „L-MAG“. Früher leitete sie das Szene-Magazin „Siegessäule“

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