Berlin : Wodka mit Meerrettich

Nikolai Makarov ist ein echter Kosak und bevorzugt ein besonderes Wässerchen

Moritz de Grancy

Russland ist in diesem Jahr das Partnerland bei der Grünen Woche. Bis zum 22. Januar empfiehlt deshalb ein Kenner der russischen Küche täglich, was man unbedingt probieren sollte.

Unzählige Anekdoten und Gerüchte ranken sich um den Wodka, und Nikolai Makarov könnte sie alle erzählen. Wie es in der Sowjetunion zum Beispiel üblich war, am Kiosk zwei Finger an die Brust zu legen, um auszudrücken: Wir sind zu zweit und suchen einen Dritten, um eine Flasche Wodka zu teilen. „Dann goss man den kompletten Inhalt in drei Gläser und trank in einem Zug aus“, erzählt Makarov. War der Wodka schlecht, roch man schnell an einem Stück Schwarzbrot oder, falls kein Brot zur Hand war, an der eigenen Faust. Um den Ethanolgeruch loszuwerden.

Makarov kennt das alles noch aus eigener Anschauung. 1952 wurde er in Moskau als Sohn eines Diplomaten geboren, erst in den siebziger Jahren kam er nach Berlin, um an der Humboldt-Universität und der Akademie der Künste zu studieren. Bekannt ist Makarov in Berlin nicht nur für seine Kunst, sondern vor allem für die legendären Kakerlakenrennen, die er regelmäßig veranstaltet. Dass man ihn dort meist in Kosakenuniform antrifft, hat seinen Grund: Vom Vater erbte Makarov den Titel „Generalmajor der Kosaken“, und der hat in Russland immer noch Gültigkeit: Am Don untersteht Makarov eine berittene Hundertschaft.

Nicht irgendeinen Wodka empfiehlt uns Makarov, sondern seine hausgemachte Marke mit Meerrettich-Zusatz. Der sei natürlich etwas für die Genießer unter den Trinkern, erklärt der Kakerlaken-Kosak, während er einschenkt. Auffällig ist zunächst der Geruch: Meerrettich-Wodka duftet wie ein Spätsommernachmittag auf dem Land, deftig und stark wie Mutter Erde. Dann der Geschmack: rein und würzig-mild. Wer Meerrettich-Wodka trinkt, verspürt absolut kein Bedürfnis, an Brot oder Fäusten zu riechen. Schon im Sommer will Makarov das Getränk in Deutschland in den Handel bringen, in bauchigen Karaffen, deren Verschluss beim Öffnen wundersam oszilliert. Einen Namen für seine Erfindung hat sich der Künstler auch schon ausgedacht: „Makarov – die Erleuchtung“.

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