Berlin : Wohin mit der Dose?

Seit dem 1. Oktober gilt die verschärfte Verpackungsordnung. Jetzt sollen wir überall unser Pfand bekommen, wo Getränkedosen verkauft werden. Wir haben es versucht

Dagmar Rosenfeld

Ein prima Tag für Dosentrinker. Weil jetzt alles einfacher werden soll und die Getränkedosen nicht mehr nur da abgeben werden können, wo sie auch gekauft wurden. Von nun an muss man also die morgens am Kiosk gekaufte Cola-Dose nicht mehr den ganzen Tag in der Handtasche aufheben, um sie dann abends genau dort wieder abzugeben. Die nimmt ja jetzt jeder an, denkt man.

Denkste! „Nee, Dosen ham’ wir nicht mehr“, sagt die Kassiererin bei Plus. Sämtliches Weißblech ist aus den Getränkeregalen des Discounters verschwunden. Stattdessen hat Plus seine eigens produzierten PET-Einwegflaschen. Selbst das gute „Schloß Pils“ gibt es jetzt nur noch in dunkelbraunen 0,5 Liter Plastikflaschen, was noch ein bisschen widerlicher ist als Pils aus der Dose.

Der zweite Versuch, die Dose loszuwerden, scheitert, bevor er eigentlich begonnen hat. Bei Meyer-Beck am Wittenbergplatz kleben große Plakate, die Dosentrinkern ganz deutlich sagen, dass sie nicht willkommen sind. Wir haben keine Zwangspfandartikel mehr, steht da drauf. Dritter und vierter Versuch bei Kaiser’s und Bolle sind ebenfalls ein Reinfall – auch hier dosenfreie Zone.

Nun gut, bleiben ja noch immer die Kioske und Tankstellen. „Haben Sie einen Bon?“, fragt die Kiosk-Verkäuferin am Wittenbergplatz. „Nein, aber ab heute müssen Sie doch die Dose auch ohne Bon zurücknehmen.“ „Nö“, sagt sie. „Nur, wenn ein P drauf ist.“ So kennzeichnet nämlich der Getränkelieferant Lekkerland-Tabaccoland (L-T) seine Zwangspfandprodukte. Allerdings scheint die Verkäuferin nicht zu wissen, dass sich L-T verpflichtet hat, auch P-freie Dosen anzunehmen. „Außerdem“, sagt sie, habe sie die neuen Dosen noch gar nicht, sondern nur Altbestände. Und da gelte wie bisher: Rücknahme nur gegen Bon, der belegt, dass die Dose bei ihr gekauft worden sei.

Das ist nicht richtig, heißt es bei der Verbraucherzentrale. Das Altbestände-Argument sei ein Verstoß gegen die neue Pfandverordnung. Der Dame am Kiosk ist das egal, ohne Bon nimmt sie die Dose nicht zurück. Zwei Kioske und eine Aral-Tankstelle später ist die Dose immer noch in der Handtasche. Letzter Versuch: Spar am Bayerischen Platz. Spar arbeitet mit dem Getränkelieferanten Vfw zusammen, der per Sondergenehmigung weiterhin Pfandbons ausgeben darf – aber auch Dosen ohne diesen Bon annehmen muss. Dumm nur, dass die neuen Pfandbons noch nicht da sind. Und so läuft hier die Rücknahme nach dem alten Pfandsystem. Genervt stopfen wir die Cola-Dose in die Tasche. Wirklich eine prima Idee, die neue Verpackungsordnung. Schade nur, dass sich niemand dran hält.

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