Berlin : Wohlfühlen auf Rezept

In Spandau eröffnet ein bundesweit einmaliges Erlebnis- und Gesundheitszentrum – das „Centrovital“

Annette Kögel

Zu einem gesunden Körper gehört eine gesunde Seele – nach diesem Prinzip will das Team im neuen „Centrovital“ arbeiten. Am 1. März eröffnet das Erlebnis- und Gesundheitszentrum in Spandau mit Ärztehaus, Fitness, Wellness und Hotelerie unter einem Dach. Künftig können sich die Berliner also erstmals in einem Haus untersuchen, behandeln und verwöhnen lassen. Ein privates Pilotprojekt, das die Senatsgesundheitsverwaltung als „modern und kostensparend“ lobt.

Das „erste und größte ganzheitliche Zentrum für integrative Medizin in der Bundesrepublik“, wie es Michael Eckerl, Generalbevollmächtigter der Centromed Berlin-Spandau Betriebs GmbH & Co KG, formuliert, ist nach vierjähriger Bauzeit an der Neuendorfer Straße 25 entstanden. Über 85 Millionen Euro hat der Investor und Verpächter des Geländes an der Havel, die Bayerische Beamten Versicherung, in den Kombibau nach amerikanischem Vorbild investiert.

Da können also demnächst zum Beispiel Patienten mit Rückenproblemen zunächst im Wartezimmer ihres Arztes Platz nehmen. Mit dem Rezept holen sie sich dann die Tabletten aus der Apotheke. Dann geht es weiter zur Krankengymnastik in die Reha und zum Muskelaufbautraining ins Fitnessstudio. Wer will, kann sich dann im Wellnessberiech massieren lassen. Und abends in der „Bürgerakademie“ mit psychischen Ursachen der Erkrankung auseinander setzen.

Die „Centrovital“-Poliklinik ist in dem alten Verwaltungsgebäude der Schultheiss-Brauerei entstanden. Zwölf Fachabteilungen, acht Ärzte und rund 38 medizinische Mitarbeiter bieten auf fünf Stockwerken und 5000 Quadratmetern Behandlung, Rehabilitation und Physiotherapie, sagt Eckerl. Vor allem Brustkrebspatientinnen, Lungenkranke, Diabetiker und Herzkranke sollen angesprochen werden. „Centrovital“ rechnet mit bis zu 180 Patienten täglich.

Das neue, vernetzte Mega-Ärztehaus können Versicherte aller Kassen nutzen. Auch nach der Behandlung sollen Ärzte den Kontakt zu Patienten nicht verlieren. Das Haus will mit der Kosten reduzierenden Fallpauschale arbeiten: Dann wird nicht mehr jede einzelne Leistung beim Arzt, beim Operateur, bei der Reha und so weiter abgerechnet, sondern ein Gesamtbetrag pro Patient veranschlagt. Mit Berliner Ärzten und Kliniken wird gerade über Kooperationen verhandelt. Auch für Patienten solle das Ärztehaus viele Vorteile bieten. Wer will, kann etwa eine elektronische Akte anlegen lassen, dann können Ärzte die Unterlagen sekundenschnell am Computer aufrufen. „Das macht dann nichts, wenn man mal eine Röntgenaufnahme verbummelt hat“, sagt Eckerl.

Das neue Gesundheitszentrum will vor allem Berliner ansprechen, die sich „als mündige Patienten“ nicht nur um Rezepte kümmern – sondern um ganzheitliche Prävention. Im obersten Stock des Ärztehauses sollen Schulungen mit Selbsthilfegruppen und Experten stattfinden, die Gebühren übernehmen oft die Kassen. „Auch Fortbildungen für Ärzte sind geplant“, sagt der Generalbevollmächtigte. In der Lehrküche unterm Dach soll eine Ernährungsexpertin Rezepte erklären, während Eltern ihre Kinder von einer Erzieherin betreuen lassen können.

Über eine Schwebebrücke geht es in den Neubau mit dem Fitness-, Wellness- und Hotelkomplex – um ihn zu nutzen, muss man aber nicht Patient im Ärztehaus sein. Im Neubau kann man etwa an 200 Fitnessgeräten computergestützt trainieren, sich eine Aryuvedabehandlung oder eine hawaiianische Massage gönnen. Im ersten Stock macht bald Berlins größte Therme auf, mit einem Schwimmbad, sieben Saunen – und einem Abkühlungs-“Eisiglu“ mit Schnee. Ein Fahrstuhl fährt zum Dachgarten mit Sauna, Terrasse – und Blick über die Havel. Im Vier-Sterne-Hotel mit 158 teils behindertengerechten Zimmern, Juniorsuiten, Restaurants und Kaminecken können auch Wellnessgäste einchecken.

„Centrovital“: ein Konzept, das – im mit Ärzten sehr gut versorgten Bezirk – aufgehen soll, so hoffen die Betreiber. Im Sommer eröffnet schon das nächste Haus in München. Der Betreiber stellt alle Ärzte selbst an, daher gebe es keine Probleme mit Niederlassungsbeschränkungen in Berlin. „Gesundheit und Wellness wird im Städtetourismus immer wichtiger“, sagt Hanns-Peter Nerger von der Berlin Tourismus Marketing. Im Sommer wird sogar eine Wellness-Kampagne für Berlin gestartet. Bei der Spandauer Konkurrenz sieht man die Neueröffnung indes gelassen. „Bei uns geht es nicht um ärztliche Versorgung, sondern nur ums Entspannen und Wohlfühlen“, sagt Managerin Karin Dagois-Liepold vom Wellness-Tempel „Meridian Spa“ in den Spandauer Arkaden. Mitarbeit: Mia Raben

„Centrovital“, Neuendorfer Straße 25, 13585 Berlin, 81875100, www.centro-vital.net. Tag der offenen Tür: 28. u. 29. 2., 11 bis 18 Uhr.

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