Wohnen im Märkisches Viertel : Neu saniert und trotzdem günstig

Eine Warmmiete von rund 800 Euro für 107 Quadratmeter Wohnfläche sind ein Traum. Im Märkischen Viertel wurden 5000 Wohnungen saniert, weitere sollen folgen. Die Mieten steigen dabei aber kaum.

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Einzugsgebiet: Das Märkische Viertel erlebt derzeit eine Renaissance.
Einzugsgebiet: Das Märkische Viertel erlebt derzeit eine Renaissance.Foto:Thilo Rückeis

Die Badewanne ist zu kurz, der Balkon etwas verschattet, ansonsten gibt es über die 5000. sanierte Wohnung im Märkischen Viertel nicht viel zu meckern. Auch Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) lächelt bei der Erstbesichtigung zufrieden. Überzeugend ist vor allem der Preis: 107 Quadratmeter für 800 Euro brutto warm, also alles inklusive. In Charlottenburg oder Pankow wäre das ein Sechser im Lotto.

Und dennoch kommen sie nicht, die Pankower und Charlottenburger, die sich ihre Mieten nicht mehr leisten können. Es kommen vor allem Weddinger, die ihre Kinder nicht auf Problemschulen schicken möchten, Weddinger Familien, „die den sozialen Aufstieg geschafft haben“, sagt Gesobau-Vorstand Jörg Franzen. 90 Prozent der Zuzügler zahlten ihre Miete aus eigener Tasche. Die Zahl der Kinder unter sechs Jahren habe sich in den vergangenen Jahren verdoppelt. An der Chamisso-Grundschule am Senftenberger Ring wurde gerade ein Erweiterungsbau übergeben.

Ingeborg Junge-Reyer weist den Verdacht weit von sich, Großsiedlungen wie das Märkische Viertel könnten Zufluchtsorte für Innenstadtvertriebene werden. „Wer hier hinzieht, tut das gerne.“ Das gute Angebot an Grünflächen, Einkaufsmöglichkeiten und Kultur spreche für den Stadtteil. Es gehe ihr darum, „gute Lebensbedingungen in der ganzen Stadt zu schaffen“, sagt die Senatorin. Deshalb habe man die Hochhaussiedlung in das Programm Stadtumbau-West aufgenommen. 13 Millionen Euro stehen insgesamt zur Verfügung, für Schulen, Grünanlagen und Sportangebote.

Die Gesobau will in den kommenden Jahren fast 500 Millionen Euro für die energetische Sanierung von 13000 Wohnungen ausgeben. Weil es günstige Kredite gibt, lasse sich die Belastung der Mieter begrenzen. Durchschnittlich steige die Gesamtmiete nur um 10 Cent pro Quadratmeter, also 1,3 Prozent, erklärt Franzen. Das liege aber auch der technisch rückständigen Ausgangslage mit hohen Betriebskosten. So gab es bisher in vielen Häusern keine Wasserzähler, und die Heizungen ließen sich kaum regulieren. Junge-Reyer findet die Sanierung im Märkischen Viertel trotzdem vorbildhaft für andere Wohnungsbaugesellschaften.

Bis 2015 werde sich die Gesobau im Märkischen Viertel auf die Sanierung des Bestandes konzentrieren, Neubauten seien nur in Alt-Pankow geplant. An der Mendelstraße südlich des Schlossparks sollen 200 Wohnungen entstehen, teils für gehobene Ansprüche, teils für Normalverdiener. So könnten Kaltmieten zwischen 13 und 6 Euro angeboten werden, allerdings nicht im selben Haus. „Das würde von denen, die 13 Euro zahlen, nicht akzeptiert“, sagt Franzen. Bislang gilt unter Immobilienexperten als ausgemacht, dass Neubauten nicht unter 10 Euro kalt pro Quadratmeter kalkuliert werden können.

Hauptstadt-Extremen wiederum hat sich nichts geändert: Während die Müllgebühren im Großstadt-Vergleich die mit Abstand niedrigsten sind, gehören die Wasserpreise zu den höchsten.

Zur Feier der 5000 Wohnungen sind auch Mieter geladen. Die Senioren unter ihnen loben das Viertel über den Klee, nur eine bulgarische Familie, geflüchtet aus einem Weddinger Altbau wegen hoher Heizkosten, würde eigentlich lieber woanders wohnen.

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