Berlin : Wohnungen statt Weißbier: Neuer Glanz für alte Brauerei

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Bis 1914 wurde Weißbier bayerischer Art auf dem Gelände zwischen Greifswalder Straße und dem Märchenbrunnen im Friedrichshain gebraut, und noch ein paar Jahre länger lockte der dortige Vergnügungspark "Schweizer Garten" Besucherscharen an. Jetzt will die Firma Realprojekt mehr als 100 Millionen Mark in die alte "Brauerei C. Schneider" investieren. In den denkmalgeschützten Altbauten aus dem 19. Jahrhundert sollen Lofts, eine Kita und ein Jugendclub entstehen. Außerdem sind auf dem 2,1 Hektar großen Areal eine Doppel-Schulsporthalle und Wohnungsneubauten mit einer "teilgewerblichen Nutzung" geplant. Heute Abend wird das Projekt anlässlich einer Bürgerversammlung vorgestellt, deren Hauptthema die Zukunft des nahen Saalbau-Geländes ist (19.30 Uhr im Verlagshaus der Huss-Medien GmbH, Am Friedrichshain 22).

Erst in der vorigen Woche erwarb der Investor die im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Brauerei. Die heutigen Nutzer des Altbaus sind Künstler, Schreiner und ein Tonstudio; für einen Teil der Mieter wollen die neue Eigentümer Ersatzstandorte suchen. Die bestehende Kita in einem Flachbau aus DDR-Zeiten soll nach der Sanierung der Brauerei in diese umziehen. Der Bauantrag ist für das kommende Frühjahr geplant, beginnen sollen die Arbeiten im Herbst 2001. Für den ersten Bauabschnitt werde man danach rund ein Jahr brauchen, sagt Willo Göpel von der Realprojekt. Zwischen 2003 und 2004 könne das ganze Vorhaben abgeschlossen sein.

Für Lofts in alten Gemäuern ist der Investor schon bekannt. In Kreuzberg hat die Realprojekt eine Fabrik zu den "Paul-Lincke-Höfen" umgestaltet; außerdem lässt sie zurzeit gemeinsam mit der Deutschen Bank und der Viterra AG die ehemalige Kreuzberger Schultheiss-Brauerei zum "Viktoria Quartier" ausbauen.

Inwieweit die Reste des alten Kastanienhains erhalten bleiben sollten, wird derzeit noch geprüft. Ein paar der Bäume will der Investor ohnehin für einen geplanten Platz stehen lassen, andere sollen durch Neupflanzungen ersetzt werden. Der über das Grundstück führende Weg zwischen Greifswalder Straße und Am Friedrichshain bleibe zugänglich, betont Göpel. "Das Gelände soll einen öffentlichen Charakter haben."

An den einstigen Vergnügungspark wird dagegen nichts erinnern. Die Nachbarschaft zu den geplanten und existierenden Wohnhäusern spreche gegen einen Biergarten oder Ähnliches, sagt Göpel. Die neuen Wohngebäude sollen teils nur drei bis vier Geschosse haben, die höchsten erreichen mit sechs Stockwerken plus Dachgeschoss die Traufhöhe. Ein erhebliches Problem sind Altlasten, die eine frühere Autowerkstatt im Brauhaus hinterließ. Der Investor rechnet damit, dass der Boden bis zu vier Meter tief abgetragen werden muss.

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