Wohnungsbau : Bloß keinen Streit mit Kleingärtnern

Momentan wird Platz für den Bau von Sozialwohnungen dringend gesucht. Doch im Abgeordnetenhaus lehnt man die Idee ab, Schrebergärten zu planieren und so Flächen zu schaffen. Trotzdem könnten einige Gartenkolonien demnächst in Gefahr sein.

von
Für einige Schrebergärten-Kolonien in Neukölln laufen demnächst die Schutzfristen aus.
Für einige Schrebergärten-Kolonien in Neukölln laufen demnächst die Schutzfristen aus.Foto: dapd

Große Koalition für die Erhaltung von Kleingartenkolonien: Die Idee des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), für den Wiedereinstieg in den sozialen Wohnungsbau Schrebergärten zu planieren, stößt im Abgeordnetenhaus auf wenig Gegenliebe. „Die Kolonien gehören zu Berlin und tragen zur Lebensqualität mit bei. Sie abzureißen, steht überhaupt nicht zur Diskussion“, sagt Iris Spranger, die wohnungspolitische Sprecherin der SPD im Abgeordnetenhaus. Spranger verweist auf die Bestandsgarantie vieler Kleingärten und fordert, neue Wohnungen vor allem auf dem Tempelhofer Feld und dem Noch-Flughafen Tegel zu errichten.

Auch beim Koalitionspartner CDU hält man wenig von planierten Schrebergärten. „Natürlich: Irgendwann muss man abwägen, wie es mit den Kleingärten in bester Lage weitergehen kann. Aber dafür ist es noch zu früh“, sagt der baupolitische Sprecher Matthias Brauner.

Der BBU hatte vorgeschlagen, die Kleingärten am Schöneberger Priesterweg und am Spandauer Damm in Charlottenburg abzureißen – und auf den Flächen Wohnsiedlungen zu errichten. Wie ein Sprecher des Verbandes sagt, gehe es nicht darum, „Luxuswohnungen hochzuziehen, sondern um Wohnungen, die zur sozialen Durchmischung der Viertel beitragen“.

Nach Ansicht des Verbandes brauche Berlin jedes Jahr 10 000 bis 12 000 neue Wohnungen. Wie viele davon Sozialwohnungen sein sollen, werde derzeit im Verband diskutiert. Den BBU-Vorstoß will man im Verband als „Anregung“ verstanden wissen, „sich auch einmal die innerstädtischen Viertel genauer anzuschauen. Will man dringend benötigten Wohnungsbau, von dem alle profitieren? Oder geht es darum, die Interessen einiger weniger Kleingärtner zu schützen?“.

Beim Berliner Landesverband der Gartenfreunde, der nach eigenen Angaben die Interessen von 70 000 Kleingärtnern in der Stadt vertritt, reagierte man gelassen auf den BBU-Vorschlag. „Der Priesterweg in Schöneberg steht unter Denkmalschutz“, sagt ein Verbandssprecher. Rund 75 Hektar groß soll das Gelände rund um den Priesterweg sein und Platz für 25 Kolonien bieten; die Kolonien ziehen sich vom S-Bahnhof Priesterweg bis zum Stadtring. Die Gesamtanlage gehört wie auch die am Spandauer Damm zu den größten Kolonieflächen der Stadt. „Das Gelände ist ein Dauerkleingarten mit unbefristeter Bestandsgarantie“, sagt ein Verbandssprecher. Anders sei die Lage beispielsweise in Neukölln. Hier gebe es eine Vielzahl von Kolonien, bei denen im Jahr 2014 die Schutzfrist auslaufe. Genau dann, wenn Berlin nach aktuellen Planungen wieder in die Neubauförderung einsteigen könnte.

9 Kommentare

Neuester Kommentar