Wohnungsbau in Berlin : Wohnen auf der Weide

Zehntausende Wohnungen sollen in den kommenden Jahren in der Stadt entstehen. Nicht nur an prominenten Orten wie dem ehemaligen Flughafen Tempelhof, sondern an den Stadträndern. Ein Besuch in vier Vierteln, die vor Veränderungen stehen.

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Schön hier. Schön idyllisch. Pferde grasen dort, wo in Lichterfelde-Süd bald Wohnungen entstehen sollen.
Schön hier. Schön idyllisch. Pferde grasen dort, wo in Lichterfelde-Süd bald Wohnungen entstehen sollen.Foto: Mike Wolff

Lichterfelde-Süd

Ein paar Schritte vom S-Bahnhof Lichterfelde-Süd entfernt werden Erinnerungen wach an die frühere Nutzung des Areals. „Dieses Gelände wird von zwei Schrotflinten bewacht“ steht auf einem Schild hinter einem verschlossenen Gittertor und daneben steht ein bewaffneter Pappsoldat. Seit 1953 betrieb die US-Berlin-Brigade zwischen Bahngelände, Osdorfer Straße und Zonengrenze ihren Truppungsübungsplatz „Parks Range“. Dazu gehörte auch die inzwischen abgerissene Geisterstadt „Doughboy City“, wo zwischen Rathaus, Kirche und einem originalgetreu nachgebauten U-Bahnhof der Häuserkampf trainiert wurde. Heute haben es die 6000 Bewohner der ab 1968 errichteten Thermometersiedlung leiser. In der zum Teil nur der BVG vorbehaltenen Reaumurstraße gibt es keinen Durchgangsverkehr, nur ein paar Kfz-Werkstätten und ein Pferdehof befinden sich am Südrand des seit 1994 brachliegenden, nach wie vor eingezäunten Geländes.

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Was ist geplant?

Nach mehreren Besitzerwechseln gehört das 100 Hektar große Gesamtareal seit 2013 der Groth-Gruppe. Konsens besteht mit dem Bezirk, dass 60 Prozent des Geländes in Form eines Landschaftsparks unbebaut bleiben. Bis zu 3000 Wohnungen sieht der Stadtentwicklungsplan vor. Norbert Schmidt (CDU), Stadtrat für Soziales und Stadtentwicklung in Steglitz-Zehlendorf, geht von 2200 bis 2700 aus, die ab 2015 entlang der Osdorfer Straße sowie S-Bahntrasse errichtet werden könnten. Eine gemeinsame Absichtserklärung haben Bezirk und Investor Klaus Groth bereits unterzeichnet, danach soll die Mindestgröße der Wohnungen 76 Quadratmeter betragen. In welchem Umfang Kitas und auch eine weitere Schule benötigt werden, hängt davon ab, wie viele Wohnungen tatsächlich realisiert werden, so Schmidt. Das soll ebenso wie die verkehrliche Erschließung über einen städtebaulichen Vertrag mit der Groth-Gruppe geregelt werden.


Was sagen Anwohner?

Wichtig ist eine sozialverträgliche Stadtentwicklung, sagt Jürgen Bischof vom Verein „BUS-STOP“, der den Kinder-, Jugend- und Familienstützpunkt in der Thermometersiedlung betreibt. Er begrüßt, dass Investor Groth bereits vor Ort den Kontakt suchte. An Erholungsflächen mangele es den Anwohnern nicht, die hätten sie bereits heute „von der Landesgrenze bis zum Berliner Ring“ gleich vor der Tür. Was benötigt wird, sind Spiel- und Aufenthaltsräume für Kinder und Jugendliche, vorhandene Spielplätze wurden wegen Lärmbeschwerden von Anwohnern geschlossen. Groß sei auch der Bedarf an kleineren, bezahlbaren Wohnungen. Für viele ALG-II-Empfänger in der Siedlung seien die vorhandenen Wohnungen nach dem Auszug der Kinder wegen der hohen Mieten nicht mehr zu halten.

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