Wohnungsbau in Brandenburg : Wohnungen für 3800 Potsdamer in Krampnitz

Die Stadtverwaltung will einen Vorzeigestadtteil für bis zu 3800 Bewohner entwickeln. Wichtige Häuser der alten Sowjet-Kaserne in Krampnitz werden jetzt gesichert.

von
Wahrzeichen im Norden: Der 50 Meter hohe Turm steht am Kaserneneingang, direkt an der Bundesstraße B2 zwischen Berlin-Spandau und Potsdam. Foto: Henri Kramer
Wahrzeichen im Norden: Der 50 Meter hohe Turm steht am Kaserneneingang, direkt an der Bundesstraße B2 zwischen Berlin-Spandau und...Foto: Henri Kramer

Fast 4000 Menschen sollen hier einmal wohnen. Doch bevor der Potsdamer Norden wächst, verfällt er erst einmal. Das zumindest soll jetzt gestoppt werden, wichtige Häuser der alten Kaserne werden jetzt gesichert. Das bestätigte eine Sprecherin des Krampnitz-Entwicklungsträgers, einer Tochter der kommunalen Bauholding Pro Potsdam. Auftraggeber für die Maßnahmen ist demnach die private TG Potsdam-Gesellschaft – die das frühere Kasernengelände vor Jahren unter dubiosen Umständen vom Land erworben hat und behalten will. Inzwischen gibt es zwar einen neuen Eigner der TG-Gesellschaft, den Leipziger Investor Oliver Bechstedt. Doch auch der geht juristisch gegen den Plan der Stadtverwaltung vor, Krampnitz in Eigenregie zu einem Vorzeigestadtteil für bis zu 3800 Bewohner zu entwickeln.

Die Gerichtsverfahren zu Krampnitz dauern an, für das Frühjahr sind die nächsten Termine angesetzt. Auch wegen der langen Verfahrensdauer hatte die kommunale Baubehörde schon 2015 gegen die TG Verfügungen erlassen, die aus Sicht des Denkmalschutzes wertvollsten Gebäude auf dem Gelände endlich gegen Wind, Wetter und Vandalismus zu schützen. Sonst drohte eine Geldstrafe.

Einige Gebäude wie das denkmalgeschützte Fähnrichsheim notdürftig gesichert

Nach und nach hat die TG nun einige Gebäude wie das denkmalgeschützte Fähnrichsheim notdürftig gesichert – zum Beispiel, indem Löcher in Dächern mit Brettern abgedichtet wurden. Aktuell erhält nun das Pförtnergebäude am Haupttor ein Notdach, um weitere Schäden an der Bausubstanz zu vermeiden. Auch das denkmalgeschützte Kasino für Offiziere und ein Stabsgebäude werden gesichert. Weiterhin sind in mehreren Bauten die Fenster zugemauert worden, damit in ihnen keine illegalen Partys mehr stattfinden können.

Die Ruinen von Krampnitz
Irgendwann krachte hier der Leuchter herunter: Unterwegs in den Ruinen der Kasernen von Potsdam-Krampnitz, wenige Kilometer westlich von der Berliner Stadtgrenze. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Fotos von Ruinen aus Berlin und dem Umland an leserbilder@tagesspiegel.de.- Foto: silent-moments photographyWeitere Bilder anzeigen
1 von 516silent-moments photography
19.05.2016 08:59Irgendwann krachte hier der Leuchter herunter: Unterwegs in den Ruinen der Kasernen von Potsdam-Krampnitz, wenige Kilometer...

Bei der Sicherung der Gebäude geht es nicht nur um deren historischen Wert, sondern auch um Geld. Die Millioneninvestitionen in die Ex-Kaserne sollen auch über steuerlich einträgliche Abschreibungen bei der Sanierung von Denkmalen refinanziert werden – doch dieser Plan scheitert für die TG-Gesellschaften wie für die Stadt, wenn die Häuser so marode sind, dass nur der Abriss bleibt. Und tatsächlich sieht Pro-Potsdam-Chef Bert Nicke die TG-Maßnahmen nur als Anfang.

Zwischen 1987 und 1991 rund 500 Trichlorethan versickert

Bewegung gibt es bei der Beseitigung der Umweltschäden auf dem vor der Wende von der Sowjetarmee genutzten Gelände. So sind in einer früheren Wäscherei im Nordwesten des Geländes zwischen 1987 und 1991 rund 500 Liter des chemischen Reinigungsmittels Trichlorethan versickert, das Nierenkrebs auslösen und zu Hirnschäden führen kann. Der Schaden soll Schritt für Schritt behoben werden. Darauf hatten sich zuletzt Stadt und Land geeinigt. Die Pro Potsdam beginnt nun mit Ausschreibungen. Die Arbeiten sollen im April erfolgen.

Zunächst hatten Stadt und Land gestritten, weil das Land für die Sanierung deutlich weniger Geld aufwenden wollte als die Stadt verlangte. Demnach wollte das Land nur 1,8 Millionen Euro geben, die Stadt und der zuständige kommunale Entwicklungsträger gingen dagegen von 4,5 Millionen Euro Kosten aus. Schließlich hatte man sich auf „modifizierte Auflagen“ zur Sanierung verständigt. Auch die Sanierung dient dem Ziel, Krampnitz zu einem Stadtviertel zu machen. Der eigentliche Zeitplan, der eine Entwicklung bis 2025 vorsah, ist wegen der andauernden Gerichtsverfahren nicht zu halten.



» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben