Berlin : Wohnungsbaugesellschaft Mitte will umstrittene Fläche an Land Berlin verkaufen

Amory Burchard

Das Holocaust-Mahnmal wird erheblich teurer als erwartet. Für einen Teil des Geländes am ehemaligen Mauerstreifen (Ebert-, Ecke Behrenstraße) im Bezirk Tiergarten verlangt der Eigentümer offenbar mehrere Millionen Mark. Ursprünglich waren die Baukosten für das vom Architekten Peter Eisenman entworfene Stelenfeld mit 15 Millionen Mark veranschlagt worden. Der geplante "Ort der Information" soll zusätzlich mindestens fünf Millionen Mark kosten. Durch den offenbar notwendigen Grundstückskauf könnten die Kosten auf etwa 25 Millionen Mark steigen.

Dass das Mahnmal-Grundstück entgegen bisheriger Auskünfte des Senats von Berlin nicht vollständig im Besitz des Bundes ist, hatten in der vergangenen Woche Recherchen des Tagesspiegel ergeben. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, der Vorsitzende des Kuratoriums der Stifung für das Holocaust-Mahnmal, hatte sich in einem Interview mit dieser Zeitung "überrascht" gezeigt, dass "ein Teil noch in Verantwortung eines Bezirks" sei.Mittlerweile hat Thierse erfahren, um welchen Besitzer es sich handelt: Ein Streifen des Mahnmalgeländes, der seit Jahren in die Planungen einbezogen ist, gehört der Wohnungsbaugesellschaft Mitte. Genauere Angaben wollte gestern keine der beteiligten Stellen machen. Inoffiziell war aus Senatskreisen allerdings zu erfahren, es gehe um "eine trapezförmige Fläche auf dem östlichen Mahnmalgelände" - etwa ein Sechstel der gesamten Fläche (siehe unsere Grafik).

Nach Auskunft einer Sprecherin der Wohnungsbaugesellschaft laufen zur Zeit Verhandlungen mit dem Land Berlin um den Verkauf des Grundstücks. "Das, was gebraucht wird, verkaufen wir." Derzeit könne die Wohnungsbaugesellschaft aber keine genaueren Aussagen über den Preis machen.

Die Verhandlungen seien problematisch, heißt es indes aus den erwähnten Senatskreisen, die nicht genannt werden möchten. Bei dem Grundstücksstreifen handele es sich um "Bauland in bester Citylage". Zwar habe die Wohnungsbaugesellschaft von Anfang an signalisiert, dass sie der Mahnmalsplanung nicht im Wege stehen wolle. Aber anders als der Bund, der sein Grundstück kostenlos zur Verfügung stellt, verlange sie einen "angemessenen Preis". Der geschätzte Marktwert des gesamten Geländes beträgt 40 Millionen Mark. Für ihren Sechstel-Anteil könnte dieWohnungsbaugesellschaft etwa 6,5 Millionen Mark fordern.

Lea Rosh, die Vorsitzende des Fördervereins für ein Mahnmal, ist "erstaunt, dass auf einmal ein Teil des Grundstücks nicht dem Bund gehören soll." Die Unstimmigkeiten um die Besitzverhältnisse habe sie "so begriffen, dass sich Stadtentwicklungssenator Strieder da ein Grundstück für den Ort der Information ausersehen hat", sagt Rosh. Im übrigen könne die Grundstücksfrage kein Grund gewesen sein, den ursprünglich für den 27. Januar 2000 geplanten Baubeginn auf unbestimmte Zeit zu verschieben. "Man hätte den Spatenstich trotzdem machen können."

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