Berlin : Wohnungsmarkt: Gähnende Leere

C. v. L.

Mehr als 305 Millionen Mark Mietschulden von säumigen Haushalten und mehr als 45 000 leer stehende Wohnungen, die 54 Millionen Mark im Jahr an Betriebskosten verschlingen: Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) müsste eigentlich ernsthaft um die finanzielle Lage der städtischen Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften fürchten. BBU-Vorstandsmitglied Ludwig Burkardt aber zeigte sich gestern zufrieden, als er die Zahlen vorstellte. Er sagt, es hätte alles schlimmer kommen können.

Der BBU hält mit 760 000 Wohnungen 40 Prozent des Berliner Bestandes. Die Leerstandsquote der Mitgliedsunternehmen stieg gegenüber dem Vorjahreswechsel leicht auf 5,9 Prozent, erreichte aber längst nicht mehr die hohen Zuwachszahlen, die seit 1996 registriert wurden. Im Ostteil, wo immer noch 34 500 Wohnungen der Mitgliedsunternehmen leer stehen, ging die Quote sogar leicht zurück. Große Sorgen bereiten aber immer noch die unsanierten Alt- und Plattenbauten, bei denen bis zu 16,4 Prozent unvermietbar sind. Ein Abriss dieser Wohnungen steht weiterhin nicht zur Diskussion.

Positiv wird vermerkt, dass die Zahl der Wohnungskündigungen zurückgegangen ist, und die Mietschulden seit 1994 erstmals wieder abnehmen, im vergangenen Jahr um 15 Millionen Mark. Offenbar habe sich die Schuldnerberatung der Wohnungsunternehmen ausgezahlt, meinte Burkardt. Die Ertragskraft der Unternehmen aber sei durch die immer noch sehr hohen Rückstände der Mieter stark belastet.

Der BBU ermittelte ferner, dass Ende 2000 die durchschnittlichen Monatsnettokaltmieten bei den Unternehmen in beiden Stadthälfen mit 7,57 Mark pro Quadratmeter den Gleichstand erreichten. Bei der Warmmiete lag der Ostteil mit 10,95 Mark pro Quadratmeter allerdings unter den Westbezirken mit 11,72 Mark. Außerdem hätten "neue Instrumente im Betriebskostenmanagement" dazu beigetragen, dass jeder Mieter bei einem BBU-Mitgliedsunternehmen um 300 bis 500 Mark im Jahr entlastet worden sei; als Beispiele wurden Pilotprojekte mit der Berliner Stadtreinigung zur Mülleinsparung und Vereinbarungen für günstige Energietarife genannt.

Burkardt sagte, die Mitgliedsunternehmen hätten im Jahr 2000 rund 1500 Wohnungen gebaut, davon knapp die Hälfte für Eigentümer. Er wies auch auf die Abschaffung der Fehlbelegungsabgabe und der "Belegungsbindung" in 16 Wohngebieten hin. Seit 1999 bis Ende 2000 seien in diesen Vierteln Mietverträge mit 3576 Haushalten abgeschlossen worden, von denen knapp die Hälfte zu den "Besserverdienenden" zählten. Diese hätten sich inzwischen zu "Stabilitätsfaktoren" entwickelt.

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