Berlin : Wohnungsmarkt: Vermieter bleiben auf 90 000 Wohnungen sitzen

Christian van Lessen

Gute Nachrichten für Mieter, schlechte für Hausbesitzer: 90 000 leer stehende Wohnungen drücken in Berlin die Preise. Auf Jahre wird es nach Meinung von Experten in Berlin kaum Spielraum für Mieterhöhungen geben. Erst längerfristig sind wieder Engpässe beim Wohnraum - und damit Preissteigerungen - zu erwarten.

Im neuen Mietspiegel wird sich die Zahl der 90 000 leer stehenden Wohnungen - so viel Einwohner hat etwa die Stadt Dessau - als Bremse für Preissteigerungen auswirken. Der Mietspiegel wird im September veröffentlicht und gibt die ortsüblichen Vergleichsmieten an. Die Sprecherin der Senatsbauverwaltung, Petra Reetz, erwartet, dass sich im Vergleich zum aktuellen Mietspiegel "nur sehr moderate Erhöhungen" ergeben. Viele Vermieter seien sogar bereit, mit den Preisen herunterzugehen.

Fachleute erwarteten, dass die für Mieter günstige Phase noch fünf Jahre dauern könnte. Der Bau neuer Sozialwohnungen, der immer teurer komme als der von frei finanzierten Wohnungen, sei deshalb nicht nötig. "Auf dem jetzigen Wohnungsmarkt werden wir sie nicht mehr los", sagt Reetz. Christa Fluhr vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) geht auch davon aus, dass wegen des Überangebots an Wohnungen Mieterhöhungsspielräume "nicht ausgeschöpft werden können". Von den 815 000 Wohnungen, die von den Mietgliedsunternehmen des Verbandes in Berlin verwaltet werden, stehen 42 800 leer, davon 34 400 im Ostteil.

Dieser Leerstand betreffe keineswegs nur die "Platte", sondern ziehe sich quer durch alle Bestände. Er betreffe in erster Linie Einzimmer-, und Erdgeschosswohnungen, aber auch größere, hoch gelegene Wohnungen in Plattenbauten ohne Aufzug. Der Abriss von Plattenbauwohnungen, wie er in strukturschwachen Regionen Brandenburgs praktiziert wird, sei in Berlin nicht geplant, zumal dort auch die meisten dieser Häuser modernisiert worden seien. Außerdem gebe es die Prognose, dass sich der Berliner Wohnungsmarkt langfristig verengen werde. Zahlreiche Häuser müssten aus Altersgründen abgerissen werden oder seien unbewohnbar.

"In einigen Jahren wird jede Platte gebraucht", sagt Christa Fluhr. Deshalb sei es falsch, dass die Bauverwaltung die Förderprogramme reduziere und statt einer "Verstetigung" von Neubau keinen mehr finanziere. Auch sei der Leerstand bei 1,8 Millionen Wohnungen nicht so dramatisch wie in Großstädten in den neuen Bundesländern.

Hartmann Vetter vom Mieterverein glaubt, dass von den 90 000 leer stehenden Wohnungen "mindestens 20- bis 30 000" baufällig oder wegen schlechter Lage nicht vermietbar sind. Man müsse fragen, warum und wo Wohnungen leer stünden.

Die Bauverwaltung glaubt, dass die Nachfrage wieder wachsen wird, aber dann nach "anderen Wohnformen" verlangt: Die Tendenz, so Reetz, gehe zum Single-Haushalt und zu großen Wohnungen in guten Lagen. Die Behörde müsse "mehr Manager für gute Lagen" sein und Investoren attraktive Grundstücke anbieten. Man sei dabei, einen entsprechenden Katalog zu entwickeln.

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