Berlin : Wohnungsunternehmen GSW verliert sein Führungspersonal

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Foto: GSW
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Einer der größten Vermieter der Stadt, die GSW, ist führungslos. Nach einem Eklat bei der jüngsten Hauptversammlung haben Vorstandschef Bernd Kottmann und Aufsichtsratschef Eckart John von Freyend ihre Posten geräumt. Die Entscheidung fiel nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung.

In der vergangenen Woche hatte eine Mehrheit der Aktionäre Kottmann die Gefolgschaft verweigert. Der Manager war erst im April GSW-Chef geworden. Ihm und von Freyend wird Vetternwirtschaft vorgeworfen. Die beiden kennen sich aus einer gemeinsamen Zeit beim Büroimmobilienkonzern IVG, der inzwischen als Sanierungsfall gilt. Der Betriebsrat schloss sich der Misstrauensbekundung der Aktionäre an.

Der Aufstand gegen die Führung war von einem institutionellen Anleger aus den Niederlanden ausgegangen, der PGGM, die Pensionsfonds vertritt. PGGM störte sich an der kurzfristigen Berufung von Kottmann durch den Aufsichtsrat. „Freyend war nicht in einer unabhängigen Position“, kritisierte PGGM-Sprecher Maurice Wilbrink. Auf die Frage, wie viele Bewerber es für den Posten gegeben habe, sei Freyend eine Antwort schuldig geblieben. Mit dem Rücktritt der beiden sei man sehr zufrieden. Das sei auch ein starkes Signal an die Branche, mehr auf Transparenz zu achten. Der GSW-Aufsichtsrat kündigte an, die Berufung von Kottmann durch einen externen Gutachter überprüfen zu lassen. Außerdem soll „unter Berücksichtigung interner und externer Kandidaten“ ein Nachfolger gefunden werden. Als Interimslösung werden die Geschäfte von den beiden GSW-Vorständen Jörg Schwagenscheidt und Andreas Segal geführt.

Die GSW-Aktie machte nach dem Rückzug der Führung einen Kurssprung nach oben. Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kleinanleger sprach von einem „sehr seltenen Vorgang.“ Jetzt sollte eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden, um in einem transparenten Verfahren einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden zu wählen. Kottmanns Drei-Jahres-Vertrag wird zum 15. Juli „einvernehmlich“ aufgelöst. Freigestellt ist er ab sofort. Ob er weiter bezahlt wird, blieb zunächst unklar. Die GSW hat ihren Bestand in den vergangenen Jahren auf 60 000 Wohnungen erhöht. Strittig ist, ob künftig auch Wohnungen außerhalb Berlins gekauft werden sollen. Die ehemalige städtische Wohnungsbaugesellschaft wurde 2004 an Investmentfirmen verkauft. Thomas Loy

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