Berlin : „Wolf in der Schafsherde“

Lankwitzer Projekt für psychisch kranke Straftäter: Bürger stritten mit Fachleuten und Planern

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Einen schweren Stand hatten am Donnerstagabend die Verantwortlichen für ein Wohnheim in der Lankwitzer Leonorenstraße, in dem psychisch kranke Straftäter betreut werden sollen: Bei einer Bürgerversammlung des Bezirksamts versuchten die Redner auf dem Podium weitgehend erfolglos, das Projekt vor mehr als 150 empörten Anwohnern zu rechtfertigen und Sorgen zu zerstreuen. Für heute um 12 Uhr lädt die CDU zum selben Thema in die Aula der Beethoven-Schule an der Dillgesstraße ein.

„Sie setzen den Wolf mitten in die Schafsherde“, brachte eine Anwohnerin die Furcht vor den künftigen Nachbarn im Wohngebiet auf den Punkt. Ein junger Lankwitzer sagte, er sei selbst einmal im Maßregelvollzug betreut worden und habe andere Patienten als „potenziell gefährlich“ in Erinnerung: „Ich würde wegziehen, wenn das Heim kommt.“

Dagegen betonte der Chefarzt des Krankenhauses des Maßregelvollzugs, Rolf Bayerl, es gehe um „psychisch chronisch Kranke“, nicht aber um Mörder, Totschläger oder Sexualstraftäter. Alle künftigen Teilnehmer des Projekts würden seit Jahren betreut, sie seien „kooperationswillig“ und ungefährlich.

Erst durch einen Tagesspiegel-Bericht hatte die Öffentlichkeit Ende Dezember von den Plänen erfahren. Deshalb warf der Steglitz-Zehlendorfer Bürgermeister Norbert Kopp (CDU) der Gesundheitsverwaltung in der Versammlung eine „bewusste Ausgrenzung“ der Bürger vor, die das Misstrauen geschürt habe. Die CDU lehnt den Standort des Projekts ab. Darüber hinaus sammelt eine Anwohnerinitiative inzwischen Protestunterschriften.

Trotzdem „wird das Projekt kommen“, stellte der Landesbeauftragte für Psychiatrie, Heinrich Beuscher, klar. Der Umbau der ehemaligen psychiatrischen Klinik läuft bereits, ist aber laut einem Architekten geringfügig – und deshalb nicht genehmigungspflichtig. In diesem Fall habe der Bezirk keine Einflussmöglichkeiten, sagte Gesundheitsstadträtin Barbara Loth (SPD). Sie bot Anwohnern jedoch an, einem Beirat beizutreten, der den Erfolg des Projekts überwachen solle. Bürgermeister Kopp wies darauf hin, dass Bewohner der Umgebung auch klagen oder ein Bürgerbegehren starten könnten. CD

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