Berlin : Wolfgang Branoner: Ex-Senator sattelt sein Steckenpferd

Brigitte Grunert

Wolfgang Branoner erholt sich in frischer Nordseeluft. Der CDU-Politiker und frühere Wirtschaftssenator tankt auf Sylt Kraft für seine zweite Karriere in der Wirtschaft, die er im September als Spitzenmanager bei der Telekom startet. Wie er am Montag bestätigte, wird Branoner als Beauftragter des Telekom-Vorstandes den Vertrieb in den neuen Ländern und Berlin koordinieren. Die Informationstechnik war immer sein Steckenpferd. Und da sein Dienstsitz Berlin ist, wird er auch mit einem Bein in der Politik bleiben. Für das Abgeordnetenhaus kandidiert er aber nicht mehr. "Beides geht nicht", meint er, obwohl sich seine neue Tätigkeit rein rechtlich mit einem Parlamentsmandat vereinbaren ließe.

Branoner (45) war von November 1998 bis zum 16. Juni 2001 Senator für Wirtschaft und Technologie. An diesem Tag wurden die CDU-Senatsmitglieder abgewählt und der PDS-gestützte rot-grüne Senat gewählt. Der Verwaltungsfachmann begann seine politische Karriere 1985 als Baustadtrat in Neukölln, stieg 1991 zum Staatssekretär bei Stadtentwicklungssenator Volker Hassemer (CDU) auf und wechselte 1996 als Staatssekretär zu Wirtschaftssenator Elmar Pieroth (CDU). Diepgen machte ihn nach längerem Zögern zu dessen Nachfolger.

Branoner kann der Telekom mit breiter Erfahrung dienen. Er saß als Senator in zahlreichen Aufsichtsräten von Unternehmen, an denen das Land Berlin beteiligt ist, unter anderem der Bankgesellschaft und der Berlinwasser-Holding. Eine Tochter der Berlinwasser-Holding ist wiederum die Berliner Telefongesellschaft BerliKomm, ein Konkurrenzunternehmen der Bonner Telekom. Manche bei den Grünen, der PDS und SPD stoßen sich nun daran, dass er sein "Insiderwissen" mitnimmt, doch hat er keine Aufsichtsratssitze mehr.

Branoner ist noch Kreisvorsitzender der CDU in Neukölln, Landes- und Bundesparteitagsdelegierter. Natürlich hilft er seiner Partei im Wahlkampf: "Ich habe den Wirtschaftsteil für das Wahlprogramm abgeliefert", sagt er. Auch bei Wahlkampfveranstaltungen macht er mit. Das alles ist auch für die anderen früheren CDU-Senatoren Ehrensache, doch eine neue Senatskarriere für den Fall, dass die CDU die Wahlen gewinnt, plant keiner. So sucht auch der frühere Finanzsenator und vormalige Finanzstaatssekretär Peter Kurth seine Zukunft in der Wirtschaft und wird dann nicht auf Ruhestandsbezüge angewiesen sein. Kurth will allerdings für das Abgeordnetenhaus kandidieren; seine Nominierung in Charlottenburg-Wilmersdorf am kommenden Wochenende gilt als sicher. Der Finanzteil des Wahlprogramms trägt seine Handschrift. Noch vor einem Jahr galt Kurth als der heimliche Kronprinz Diepgens. Das änderte sich dann im Strudel der Ereignisse im Juni. Kurth wollte Wolfgang Schäuble als Spitzenkandidat nicht im Wege stehen, und dann wurde es Steffel.

Ex-Senator Christoph Stölzl kandidiert auf dem Spitzenplatz der CDU-Liste in Steglitz-Zehlendorf. Er und Kurth werden wohl die einzigen aus dem Diepgen-Senat sein, die sich im Abgeordnetenhaus wiederfinden. Diepgen selbst kandidiert nach 30-jähriger Parlamentszugehörigkeit nicht wieder. Er ist 2002 auf ein Bundestagsmandat aus. Diepgen, der im November 60 wird, will sich als Rechtsanwalt betätigen.

Still geworden ist es um Ex-Innensenator Eckart Werthebach, vormals Staatssekretär beim Bundesinnenminister. Derzeit ist er zu Hause in Meckenheim bei Bonn. In der CDU-Zentrale hält man aber seine Parlamentskandidatur in Neukölln für möglich. Dort gebe es "Vakanzen" heißt es vielsagend, weil Diepgen und Branoner, die Prominenz, nicht mehr antreten. Der kommende Mann ist dort der stellvertretende Fraktionschef Alexander Kaczmarek. Und Parlamentspräsident Reinhard Führer ist auch noch da.

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