Berlin : Wolfgang Gregor beherrscht altes Handwerk

Claus-Dieter Steyer

Der Zeiger steht auf fast 1200 Grad Celsius. Vorsichtig zieht Kunstgießer Wolfgang Gregor am großen Flaschenzug den stählernen Kasten von der heißen Ofenplatte nach oben. Dort dampft es jetzt aus einem 30 Zentimeter hohen Bottich. Glühende Bronze blubbert an den Rand. Mit einer großen Gabel trägt der Meister dieses Gefäß einige Schritte durch die Werkstatt, um die heiße Masse in vorbereitete Sandformen zu gießen. Er darf sich keinen Fehltritt erlauben.

Doch alle Sorge ist unbegründet. Gekonnt und routiniert geht er von einer Form zur anderen. Die fangen zwar kurz Feuer. Doch es handelt sich nur um austretende Gase, die schnell wieder verschwinden. Nach einigen Stunden Abkühlung kann das Ergebnis betrachtet werden: Schalen aller Formen und kleine Becher aus Bronze kommen in der Sandform zu Vorschein. Sie liegen recht schwer in der Hand und sind immer ein Unikat. Denn durch die Handarbeit schon bei der Herstellung der Formen gleicht kein Stück dem anderen. Einmal gibt es die kleine Unebenheit am Gefäßrand, ein anderes Mal an der Seite.

Nur noch selten ist das Handwerk eines Kunstgießers im Umland zu erleben. Viele Firmen sind zur industriellen Fertigung von Beschlägen, Gefäßen oder Eingangstoren übergegangen. Wolfgang Gregor aber macht bis auf die moderne Art der Ofenheizung noch alles so wie vor über 3000 Jahren im Bronzezeitalter. Vor allem Denkmalpfleger schätzen seine Arbeiten, die unter anderem im Potsdamer Marmorpalais, im Weinhaus Huth oder in Rheinsberg zu bewundern sind. Die Adventszeit macht es möglich, dem Handwerker einmal über die Schulter schauen zu können. Am Sonntag öffnet er ab 10 Uhr für jedermann seine Werkstatt in Landin, nördlich von Nauen, unweit der Bundesstraße 5.

"Etwa stündlich werde ich den Besuchern die Herstellung der Formen und das Bronze-gießen selbst zeigen", verspricht Gregor. Außerdem finde in seinem über 200 Jahre alten Haus, das irgendwann einmal die Dorfkneipe beherbergte ein besonderer Weihnachtsmarkt statt. Zusammen mit seiner Frau hat er bei Handwerkerkollegen um deren schönste Stücke nachgefragt. Unter anderem können Arbeiten eines Holzbildhauers, Tongefäße, Schmuckwaren eines Glasbläsers und Fotografien erworben werden. Ein Keramiker aus der Niederlausitz bietet Steinzeug mit einer heute seltenen Salzglasur an. Diese Technik ist heute fast ausgestorben, da sie in modernen Elektroöfen nicht funktioniert. Außerdem gibt es Bronzestücke von Wolfgang Gregor in allen Varianten. Wer auf diesem Weihnachtsmarkt seine Geschenke kauft, kann zumindest einer Gefahr während der Bescherung aus dem Wege gehen: das Auftauchen gleicher oder ähnlicher Präsente. Zur Stärkung gibt es im Bauernhaus selbstgebackenes Brot, Schmalz und Eintopf.

Der Ausflug nach Landin kann mit einem Spaziergang durch das alte havelländische Dorf und den Schlosspark verbunden werden. Das Schloss selbst existiert leider nicht mehr. Es wurde nach dem Krieg geschleift. Gleich hinter dem Ort beginnt das havelländische Luch.Die Kunstgießerei Gregor befindet sich in Landin, Steinstraße 4. Zu erreichen über die B 5 Berlin-Nauen, weiter bis zum Abzweig der B 188 in Richtung nach Rathenow. Von dort zweigt die Landstraße nach Landin ab. Weitere Handwerkermärkte im Advent

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