Berlin : Wolfgang Joop im Lampenfieber

Der Designer las vor Eltern, Freunden und Verehrern aus seinem Buch

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STADTMENSCHEN

Als Klaudia Martini , Vorstandsmitglied der Adam Opel AG, „unseren vielseitigen Künstler“ begrüßt, hat Wolfgang Joop seinen ersten gewaltigen Auftritt schon hinter sich: Im OpelSalon in der Friedrichstraße stürzt sich eine Foto-und-Kamera-Hundertschaft auf den Modedesigner, um dessen verlegenes Lächeln abzublitzen. Joop ist sehr schlank in seinem sportlich-schwarzen Anzug mit dem offenen pinkfarbenen Hemd. Er wirkt sportlich und viel jünger als 59 Jahre; nun hat er, „ein Künstler des Stilbruchs, des Neuen und des Vergänglichen“, wie ihn die „Frankfurter Rundschau“ nennt, ein Buch geschrieben. „Im Wolfspelz“ aus dem Eichborn-Verlag blickt ein umschwärmte Modezar auf die glamouröse Welt des schönen Scheins – der Laufstege und ihres Personals überdrüssig, entflieht er in den Hexenkessel von New York und wird zum stillen, nachdenklichen Beobachter der Szene und all dessen, was sich dafür hält. „Hier mischt sich Erlebnis mit Erdachtem“, erklärt der Autor zu seinem 300-Seiten-Opus und gibt zu Beginn seiner Vorlesung zu, ziemlich aufgeregt zu sein: „Ich habe das Gefühl, einer Preisverleihung beizuwohnen“. Die Freunde und Verehrer des Meisters der Vielseitigkeit folgen der Lesung ihres Idols atemlos gespannt, „es war eigentlich höchste Zeit, dass mal ein Augenzeuge diese Originaltöne aus der Welt der Mode kondensiert wiedergibt“, spricht der Wolf.

Die erste von fünf Lesungen (außer in Berlin noch in Hamburg, München, Erfurt und Köln) war auch ein bisschen Familientreffen. In der ersten Reihe saßen zwischen Wolfgang Joops Ex-Frau Karin und seinem früheren Lebensgefährten Edwin Lemberg die Eltern Charlotte und Gerhard . Ihnen dankte das Multitalent öffentlich dafür, dass sie ihm Lesen und Schreiben beigebracht haben und für seinen Stil verantwortlich sind. „Ja, das Stilempfinden und die gute Ausdrucksweise hat er von seinem Vater, der war einst Chefredakteur bei den Modeheften von Westermanns“, sagt Mutter Charlotte, die bald 88 Jahre alt wird. „Und das Nette hat er von seiner Mutter“, fügt die Potsdamerin hinzu – „Intelligenz und Gutmütigkeit ist doch eine gute Mischung, nicht wahr?“ Beim „Wolfspelz“ ist Mutter Joop erst einmal bis zur Seite 100 vorgedrungen. Lo.

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