Berlin : Woodys Anfänge

Elisabeth Binder

erinnert sich an Allens erste Konzerte Bei den ersten Malen gehörte ein Woody-Allen-Konzert noch zu den Cheap Thrills, den Umsonst-Angeboten, die man sich in New York auch dann leisten konnte, wenn man als Backpacker im YMCA abgestiegen war und das Budget zum Dinner auf keinen Fall mehr als einen Burger erlaubte.

„Der Stadtneurotiker“ und „Manhattan“ waren Ende der 70er Jahre meine absoluten Lieblingsfilme – und für mich war es unfassbar, dass man dem Schöpfer dieser wunderbaren Werke damals einfach so beim Klarinettespielen zuhören konnte. Aber man konnte. Jeden Montag Abend in Michael’s Pub. Wenn man ganz hinten stehen blieb, musste man nicht mal unbedingt einen Drink bestellen. Die Kneipe sah so aus wie viele damals auf der East Side; dunkel, ganz gemütlich, und das Rauchen war auch noch erlaubt. Woody Allens Auftritt war ohne große Schnörkel, er spielte eher wie ein Stammgast vor anderen Stammgästen, wirkte schmal und überraschend unprätentiös, dabei spielte er wirklich gut und irgendwie versunken. Von einer Filmgröße hätte ich mehr Show-Effekte erwartet.

Beim ersten Mal fielen mir nicht so viele Touristen auf. Später dann, in den frühen 80ern, ging’s nicht mehr ohne Drink und ich war auch nicht mehr die einzige Touristin. New York war Kult, und Woody Allen war Kult, und der Montagabend in der Kneipe war sein eigener Kult. Michael’s Pub blieb er treu, bis das Lokal 1996 schließen musste. Danach machte er weiter im Café Carlyle, das auch auf der East Side gelegen ist. Wer es dort schafft, könnte es auch in New Orleans schaffen.

Jetzt ist der besondere Reiz der frühen Jahre dahin. Umsonst und derart improvisiert kann man Woody Allen nicht mehr hören. Nicht in New York. Und schon gar nicht in Berlin.

Woody Allen spielt an diesem Sonntagabend um 19 Uhr im Tempodrom. Das Konzert ist ausverkauft.

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