Berlin : Wowereit bei der Auslandspresse

Warum der Bürgermeister manchmal nur in türkischen Zeitungen vorkommt

Suzan Gülfirat

GAZETELER RÜCKBLICK

Jeden Montag im Tagesspiegel: ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Es gibt Geschichten, die kommen in deutschen und türkischen Zeitungen gleichermaßen vor, wenn auch mit anderem Schwerpunkt oder anderer Aufmachung. Beispielsweise die Wahl von Bilkay Öney vom Verein „Immigrün“ zur Wahlfrau. „Ich werde den Bundespräsidenten und meinen zukünftigen Nachbarn wählen“, zitierte die Milliyet sie am Sonnabend auf der Titelseite der Europa-Beilage. Die Wahlfrau der Grünen wohnt in der Nähe des Präsidentenschlosses. Eine halbe, bebilderte Seite widmete die Zeitung dem Thema. Zu sehen waren darauf auch die türkischstämmigen Berliner Politiker Özcan Mutlu (Grüne), Ülker Radziwill (SPD) und Evrim Baba (PDS). „Ihnen hat sie das zu verdanken“, schrieb die Zeitung. Und Bilkay Öney sagte, sie sei stolz auf diese Aufgabe. Die Türkiye brachte das Thema sogar auf der Titelseite ihrer Mittwochsausgabe.

Es gibt aber auch Nachrichten, die nur in türkischen Zeitungen vorkommen. „Die (türkischen) Medien müssen die Integration unterstützen“, schrieb zum Beispiel die Tageszeitung Türkiye in großen Buchstaben auf ihrer Europaseite am Mittwoch. Die Worte stammen aus dem Mund des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD). Die Milliyet schrieb auf ihrer Europa-Seite: „Auch Wowereit sagt Nein zum Kopftuch.“

Es war beide Male die gleiche, bebilderte Nachricht, nur war der Text in der Türkiye länger und ausführlicher. Die Nachrichten fielen auf, weil sie nur in türkischen Zeitungen vorkamen. Darin ging es auch um das kommunale Wahlrecht für Ausländer, die nicht aus der EU stammen. Wowereit vertrat die bekannte Position der SPD und sprach sich dafür aus. Außerdem äußerte er sich über das Problem der hohen Arbeitslosigkeit unter Ausländern. Es könne am besten durch bessere Bildung gelöst werden, sagte er. „Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat erklärt, dass Zuwanderung notwendig ist. Gleichzeitig sagte er, dass Ausländer eine Bereicherung sind. Die türkischen Medien müssten sich jedoch bemühen, die Türken bei ihrer Integration zu unterstützen“, schrieb die Türkiye in ihren Unterzeilen.

Es gibt einen Grund, warum diese Nachricht nicht in deutschen Zeitungen war. Der Verein der ausländischen Presse in Deutschland (VAP), den es seit 1906 (mit einer Pause von 1945 bis 1951) gibt, hatte den Politiker zu dem Gespräch im Hotel Adlon eingeladen. 425 internationale Journalisten aus 61 Ländern sind Mitglieder des VAP, darunter auch mehrere türkische Journalisten. „VAP-Mitglieder prägen das Bild maßgeblich mit, das sich das Ausland von Deutschland macht“, heißt es in der Selbstdarstellung des Vereins. Und: „Wir organisieren für unsere Mitglieder Hintergrundgespräche mit prominenten Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur.“

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