Berlin : Wowereit: Das letzte Wort ist nicht gesprochen

Regierungschefs fordern eine schnelle Entscheidung zu den Flugrouten des neuen Airports – wollen aber nichts versprechen

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Die beiden Regierungschefs saßen auf dem Podium Schulter an Schulter, als sie zum ersten Mal gemeinsam zu den umstrittenen Flugrouten Stellung nahmen. Zunächst einmal stellten Matthias Platzeck und Klaus Wowereit (beide SPD) klar: Das letzte Wort zum künftigen Großflughafen BBI ist noch nicht gesprochen. Es sei jetzt wichtig, dass die endgültigen Routen schnell festgelegt werden. Nach dem Terminplan der Flugsicherung wird die Entscheidung erst kurz vor der Inbetriebnahme des Flughafens fallen, die für den 3. Juni 2012 vorgesehen ist. Das ist Platzeck und Wowereit deutlich zu spät und den Bürgern „nicht zuzumuten“.

Zu festen Versprechen ließen sich die Regierungschefs aus Berlin und Brandenburg bei der Sitzung des Dialogforums in Schönefeld nicht hinreißen. Das Forum koordiniert die Interessen der Anwohner und der Flughafengesellschaft. Ob es möglich sein wird, Flüge über der Stadt vollständig zu vermeiden? Das wisse er derzeit nicht, sagte Wowereit.

Nach den Plänen der Flugsicherung wären die Maschinen beim Start Richtung Westen und einem anschließenden Kurswechsel nach Osten über Wannsee etwa 2400 Meter hoch und hätten über dem zentraleren Stadtgebiet eine Höhe von rund 3000 Metern erreicht. Die Routen sind nach Wowereits Ansicht „nicht optimal“, führten aber kaum zu einer Belastung im Stadtgebiet. Zu hören werden die Flugzeuge aber auch in dieser Höhe sein – wie bereits heute bei den Routen von und zum Flughafen Tegel.

An erster Stelle bei der Auswahl der Routen müsse die Sicherheit stehen, gefolgt von der bestmöglichen Lärmentlastung für die Bewohner, sagte Wowereit. Erst danach folgten die wirtschaftlichen Interessen der Fluggesellschaften. Müssten deren Maschinen die Stadt großräumig umfliegen – was möglich wäre –, blieben die Flugzeuge länger in der Luft, der Kerosinverbrauch stiege, was zusätzliche Kosten verursacht. Der Flughafenstandort Schönefeld sei bewusst stadtnah gewählt worden, weshalb es jetzt eine große Zahl Betroffener gebe, sagte Wowereit. Bei weiter von der Stadt entfernt liegenden Flughäfen gibt es dagegen meist erheblich weniger Verkehr am Himmel über dem Zentrum, selbst am erheblich größeren Flughafen in Frankfurt am Main.

Einen Baustopp in Schönefeld, wie ihn mehrere Kommunen fordern, die bei den von der Flugsicherung vorgeschlagenen Routen überflogen würden, lehnt Platzeck ab. Hier lasse sich auch kein Vergleich zum umstrittenen Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 ziehen. In Stuttgart wollten die Gegner das Projekt verhindern, in Schönefeld sei der Flughafenausbau dagegen fast abgeschlossen. Die Flugsicherung habe nur einen Vorschlag gemacht, der noch modifiziert werden könne.

Einig waren sich Wowereit und Platzeck darin, dass es keine Betroffenen „erster und zweiter Klasse“ geben dürfe. Brandenburger und Berliner sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wowereit wunderte sich amüsiert, dass die heftigste Kritik an der Routenplanung bisher von Menschen komme, die sich vehement für den Betrieb auf dem Flughafen Tempelhof ausgesprochen hätten – mit dem entsprechenden Lärm über der Stadt. Initiativen, wie es sie heute gegen den Fluglärm um Schönefeld gibt, hätte er sich auch bei der Debatte damals gewünscht.

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