Wowereit : „Es gab keine Zusagen“

Regierender Bürgermeister Wowereit bestreitet Wortbruch gegenüber dem Studio Babelsberg

Ralf Schönball

Die Vorwürfe gegen den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit wiegen schwer: Von „Wortbruch“ ist aus der Vorstandsetage der Studio Babelsberg AG die Rede. Zusagen bei der Auswahl des künftigen Nutzers des Flughafen Tempelhofs seien nicht eingehalten worden, heißt es weiter. Und: „Klaus Wowereits Agieren ist uns immer noch ein  Rätsel“, sagt Vorstand Christoph Fisser.

Der Grund für den Unmut aus Sicht der Filmunternehmer: Während sie und andere Bewerber um Flächen in dem weltweit größten Baudenkmal immer wieder auf die Auswertung des Ideenwettbewerbs und des angekündigten „offiziellen Ausschreibungsverfahren“ vertröstet wurden, schuf Klaus Wowereit Fakten. Die Modeshow „Bread and Butter“ musste nicht warten und bekam kurzfristig einen Mietvertrag, dessen Inhalt geheim ist. Wortbruch oder genialer Coup, darum geht ein zunehmend schärfer geführter Streit.

„Es war ein riesiger Ansiedlungserfolg für die Stadt“, sagt Richard Meng. Der Senatssprecher vergleicht die Nutzung des Flughafens an zwei Monaten im Jahr durch die Modeshow mit „dem ersten Stein eines Puzzles“. Kommende Mietverträge seien weitere Teile, die zum Bild einer „hochwertigen Eventlocation“ zusammengefügt werden. Von einem Wortbruch will Meng nichts wissen: „Es gab keine Zusagen an Babelsberg“, sagt er. Die Studios hätten nach Auskunft der Finanzverwaltung auch kein konkretes Vertragsangebot vorgelegt. Bread and Butter dagegen schon.

Dieser Darstellung widerspricht der Vorstand der Babelsberger Studios vehement. „Niemand außer Bread and Butter hatte die Gelegenheit, ein Angebot abzugeben“, sagt Christoph Fisser. Zwar habe es wiederholt Gespräche und Kontakte mit Wowereit und Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer gegeben. Man sei aber stets auf die „offizielle Ausschreibung“ zur Nutzung des Flughafens vertröstet worden. Ein solches Verfahren sei jedoch nie eingeleitet worden.

Nachdem die Entscheidung zugunsten der Modemesse gefallen war, habe man sich zwar noch um die Nutzung von zwei Hangars auf dem Areal bemüht. Dies sei jedoch daran gescheitert, dass die Studios die beiden Hallen nicht dauerhaft in Beschlag nehmen konnten, weil dies nicht mit der Modeshow vereinbar ist.

Dies bestätigte auch Karl-Heinz Müller, Chef von Bread and Butter: „Mit allen Hangars haben wir auf dem Flughafen die Hälfte der 106 000 Quadratmeter, die uns in Barcelona zur Verfügung standen“. Da der Messemacher mit 100 000 Besuchern und einer großen Zahl von Ausstellern rechnet, sei er auf die Nutzung des gesamten Areals angewiesen.

In der Senatskanzlei weist man die Kritik an Wowereits Entscheidung auch deshalb zurück, „weil dadurch keine andere Nutzung ausgeschlossen ist“, sagt Meng. Die Studios verzichteten doch selbst auf die Nutzung des Areals – und nicht der Senat oder der Verwalter des Areals, die Berliner Immobilienmanagement. Mit dem Alliierten-Museum sei man weiter im Gespräch, auch die Marathon-Messe „Vital“ werde den Flughafen nutzen und weitere Verhandlungen würden geführt.

Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, man habe den Potsdamer Unternehmern das Geschäft mit dem Flughafen nicht überlassen wollen. Deren Ziel sei die Übernahme des gesamten Areals gewesen, um Kapital aus der Immobilie zu schlagen, durch die Untervermietung einzelner Flächen zu teuren Preisen. Auch Bread and Butter soll mit einer Übernahme des gesamten Baudenkmals geliebäugelt haben. Doch der Senat erteilte solchen Plänen eine Absage – offenbar traut man der eigenen Berliner Immobilienmanagement zu, durch Vermietung und Management des Flughafens selbst mehr Geld aus dem Areal schlagen zu können, als ein Generalmieter bezahlen würde.

Diese Variante kostet das Land allerdings zunächst einmal Geld: Fünf Millionen Euro kostet die Herrichtung der Hallen, damit Bread and Butter diese für ihre Modeshow nutzen kann. Die Studios Babelsberg hätten diese Aufwendungen selbst getragen. Und für die regionale Wirtschaft wäre die Vermietung an die Studios wohl mindestens so attraktiv wie das Geschäft mit der Modeshow: Die soll der Stadt 100 Millionen Euro einbringen. Eine Filmproduktion wie Operation Walküre, die Babelsberg im vergangenen Jahr nach Tempelhof holte, bringt der Region nach Berechnung des deutschen Filmförderfonds 80 Millionen Euro. Babelsberg plante in Tempelhof vier Produktionen jährlich. Ralf Schönball

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