Berlin : Wowereit fordert von Flierl Courage

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Zur Diskussion des Mauergedenkkonzeptes hatte Kultursenator Thomas Flierl (PDS) einige Mitarbeiter entsandt. Er kam nicht zu der Veranstaltung der SPD-Fraktion am Mittwochabend im Abgeordnetenhaus. So entgingen ihm die Bemerkungen des Regierenden Bürgermeisters über den Umgang mit Opfern der DDR-Gewaltherrschaft. „Unerträglich“ sei es, sagte Klaus Wowereit, dass sich die Opfer mit Tätern in Gestalt früherer Stasi-Offiziere konfrontieren lassen müssten. Wenn das aber passiere, müssten Demokraten „aufstehen“ und „deutlich Position beziehen“. Wowereit kommentierte damit Flierls Verhalten bei einer Diskussion in Lichtenberg. Dort hatten an einem Abend im März, als über Gedenktafeln am ehemaligen Sperrbezirk um das Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen gestritten wurde, alte Stasi-Männer anwesende Opfer verhöhnt, ohne dass Flierl protestierte. Um so wichtiger sei es, sagte Wowereit nun, dass das Mauergedenken „tagtäglich gelebt“ werde.

Flierls Konzept bietet dafür allerdings gute Voraussetzungen. Es sieht, wie berichtet, eine erhebliche Erweiterung der Gedenkstätte in der Bernauer Straße vor. Eine umfangreiche biografische Ausstellung soll an die Toten der Grenze erinnern. Auch soll der frühere Todesstreifen zumindest räumlich erfahrbar gemacht werden. Rainer Klemke, der in der Senatskulturverwaltung für das Mauerkonzept verantwortlich ist, sieht kaum noch Hindernisse für die Erweiterung der Gedenkstätte: Drei der vier privaten Bauvorhaben seien abgewendet, beim vierten stehe man kurz vor der Einigung mit dem Bauherrn. Grundsätzliche Kritik am Konzept war am Mittwochabend nicht zu hören, nur manche Anregung. So meinte die Bürgerrechtlerin Ulrike Poppe, dass zum Mauergedenken auch die Erinnerung an staatliche Zwänge in der DDR gehöre, die so viele Biografien nachhaltig „beschädigt“ habe. wvb.

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