Berlin : Wowereit hat den Bahnhof Zoo aufgegeben

Regierender Bürgermeister äußert Verständnis für die Bahnpläne, den Fernverkehr auf den Hauptbahnhof zu konzentrieren

Rainer W. During

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sieht keine Chancen mehr, den Bahnhof Zoo als Station für den Fernverkehr zu erhalten. Dass Wowereit jetzt sogar Verständnis für die starre Haltung der Bahn zeigt, ist bei der Opposition auf scharfe Kritik gestoßen.

Noch vor wenigen Wochen hatte Wowereit bei der Eröffnung der Ringbahnhalle am Bahnhof Papestraße eine Lösung gefordert, die auch die Interessen der Fahrgäste berücksichtigt. Am 24. Juni traf er sich dann mit Helmut Mehdorn. Von beiden Seiten wurden über den Inhalt der als vertraulich eingestuften Unterredung keine Angaben gemacht. Jetzt äußerte der Regierende Bürgermeister überraschend Verständnis für die ablehnende Haltung der Bahn. Wowereit sei bei Mehdorn „nicht auf offene Ohren gestoßen", sagte der stellvertretende Senatssprecher Günter Kolodziej. Er sehe nur noch „einen relativ geringen Spielraum“ bei der Bahn und es mache deshalb keinen Sinn, sich in der Angelegenheit zu „verkämpfen“. Dass die Bahn nicht Milliarden investiere, ohne dass sich etwas ändert, sei „eine Logik, der man sich schwer entziehen kann“. Schützenhilfe bekam Wowereit von der Industrie- und Handelskammer. „Wir sehen das ähnlich“, sagte IHK-Sprecher Holger Lunau. „Wir befürchten keinen Supergau für die City-West.“

Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Abgeordnetenhausfraktion, Alexander Kaczmarek, warf Wowereit vor, „die Flinte zu früh ins Korn“ zu werfen. Im Verkehrsausschuss des Parlaments hätten Vertreter der Bahn durchaus noch Kompromissbereitschaft signalisiert. Es könne nicht sein, dass die Bahn das mit dem Land vereinbarte „Pilzkonzept“, zu dem auch ein Bahnhofskonzept mit einem Fernbahnhalt am Zoo gehörte, einseitig aufkündige. Berlin müsse seine Interessen gegenüber der Bahn wahrnehmen. Schließlich sei diese an anderer Stelle, bei der S-Bahn und dem Regionalverkehr, sogar Vertragspartner des Senats. „Damit vertritt Wowereit nicht die Interessen Berlins“, sagte die Verkehrsexpertin der Bündnisgrünen, Claudia Hämmerling. Es sei „eine völlig abartige Position“, sich als Bürgermeister „den fahrgastfeindlichen Vorstellungen der Bahn anzuschließen“.

In der FDP-Fraktion steht der Bahnhof Zoo auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung. Die Meinungen sind gespalten, sagte der liberale Verkehrsexperte Klaus-Peter von Lüdeke. Dass die Bahn versuche, allen Verkehr auf den Lehrter Bahnhof zu konzentrieren, um den Standort besser vermarkten zu können, sei verständlich. Schließlich liege der künftige Hauptbahnhof „in der Pampa“. Wie berichtet, gibt es auch massive Kritik an der unzureichenden Verknüpfung des Hauptbahnhofs mit dem Berliner Nahverkehr.

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