Wowereit-Herausforderin : Künast gibt Senat Ratschläge im Streit mit Charité

Die grüne Spitzenkandidatin Renate Künast besuchte das Virchow-Klinikum. Zum aktuellen Streit über den Großflughafen schwieg sie.

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Auf Visite. Beim Besuch der Charité-Klinderklinik vermied Renate Künast, die Berliner Spitzenkandidatin der Grünen, am Mittwoch allzu kantige Aussagen zur Gesundheits- oder Wissenschaftspolitik des Senats.
Auf Visite. Beim Besuch der Charité-Klinderklinik vermied Renate Künast, die Berliner Spitzenkandidatin der Grünen, am Mittwoch...Foto: dapd

Es ist nicht die feine Art, in der zurzeit die Debatte zwischen Charité und Senat über die Kostenplanung für die Sanierung des Bettenturms und die Investitionen verläuft. Die grüne Spitzenkandidatin Renate Künast kritisierte am Mittwoch die „rüden Botschaften“ des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit und seines Finanzsenators Ulrich Nußbaum. Sie forderte das Land Berlin auf, statt „einseitiger Schuldzuweisungen“ seine „Hausaufgaben“ zu machen. Vivantes und Charité würden zu wenig kooperieren, die „Konkurrenz um die Patienten“ müsse aufgelöst werden, sagte Künast am Mittwoch während eines Charité-Besuchs. Auch die geplante Zusammenlegung der Labormedizin von Charité und Vivantes habe der Senat noch nicht „hingekriegt“.

Zu dem Streit um die künftige Ausrichtung des Großflughafens BBI und den Irritationen, die sie mit ihren Äußerungen auch in der eigenen Partei ausgelöst hatte, wollte sich Künast gestern nicht äußern.

Ob die Wowereit-Herausforderin die 185 Millionen Euro für die Sanierung des Bettenturms von insgesamt 330 Millionen Euro Investitionskosten für die drei Charité-Standorte für auskömmlich sieht, ließ sie offen. „Das ist Aufgabe des Landes, zu entscheiden, ob die Investitionskosten ausreichend sind.“ Am Freitag wird sich der Aufsichtsrat der Charité mit den Investitionsvorhaben befassen.

Renate Künast
Kämpft sie noch oder gewinnt sie schon? Wohl eher ersteres: In den Umfragen stürzten die Grünen in der Wählergunst spürbar ab.Weitere Bilder anzeigen
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09.09.2011 21:33Kämpft sie noch oder gewinnt sie schon? Wohl eher ersteres: In den Umfragen stürzten die Grünen in der Wählergunst spürbar ab.

Die Grünen-Politikerin nannte die Charité einen „Edelstein“. Ärzte und Pflegepersonal legen großen Wert auf Interdisziplinarität, wie sie zum Beispiel im Otto-Heubner-Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Standort Virchow praktiziert wird. Bei ihrem Rundgang durch das Zentrum informierte sich Künast über die Arbeit und die Probleme im Pflegebereich. „Vor allem die Kinderrettungsstelle ist nicht ausreichend finanziert“, kritisierten Annette Grüters-Kieslich, Dekanin der Charité-Universitätsmedizin, und Heiko Krude, kommissarischer Leiter der Klinik für Allgemeine Pädiatrie. 30 000 Kinder werden am Standort Virchow jährlich behandelt. Das Pflegepersonal lehnt keine kleinen Patienten ab, auch wenn sie nicht schwer erkrankt sind. Die Kassenärztliche Vereinigung bezahlt für die Behandlung eines Kindes in der Rettungsstelle aber weniger als bei einem Kinderarzt. Sie verweist darauf, dass keine Klinik verpflichtet sei, Kinderrettungsstellen zu betrieben. Doch gerade an den Feiertagen über Weihnachten seien die Rettungsstellen oft die einzigen Anlaufstellen für besorgte Eltern, da Kinderärzte die Praxen geschlossen hätten, sagte Krude.

Im Otto-Heubner-Zentrum werden auch Kinder und Jugendliche behandelt, die sowohl organische als auch psychische Krankheiten aufweisen und deshalb eine komplexe Behandlung benötigen. In der Regel halten sich die jungen Patienten, die zum Beispiel an Diabetes, Magersucht, Adipositas, an Depressionen oder Psychosen leiden, zwischen 40 und 60 Tagen stationär auf. „Sie erhalten dort auch Unterricht“, sagte Klinikleiterin Ulrike Lehmkuhl. Auch das Thema Fettleibigkeit bei Kindern wurde bei dem Besuch von Künast angeschnitten. Künast hatte während ihrer Amtszeit als Bundesverbraucherschutzministerin einen Präventionsplan und bessere Aufklärung über gesunde Ernährung in Kitas und Schulen angeschoben. 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen seien übergewichtig, 6,3 Prozent litten an Fettleibigkeit, sagte Pädiaterin Susanna Wiegand. Im Zentrum würden Patienten lernen, wie sie unter ärztlicher Aufsicht ohne Jojo-Effekt abnehmen und das Gewicht halten können. Auch das Lebensumfeld der Familie müsse einbezogen werden, konstatierte Künast. Kinder würden regelmäßig auf der Straße mit Fastfood-Ketten konfrontiert. „Wir sind von Dickmachern umgeben“, sagte sie.

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