Wowereit im Tierpark : Hohes Tier im Anmarsch

Klaus Wowereit macht Wahlkampf-Visite im Tierpark. Wie soll es dort weitergehen? Noch werde der Park altertümlich geführt, sagen Kritiker.

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Mahlzeit. Tierpark-Chef Bernhard Blaszkiewitz will dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am heutigen Montag auch das am 18. Juli geborene Giraffenjunge „Moritz“ vorstellen. Jungtiere bringen Zoos immer mehr Besucher. Foto: Stephanie Pilick/dpa
Mahlzeit. Tierpark-Chef Bernhard Blaszkiewitz will dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am heutigen Montag auch das...Foto: dpa

Der Tierpark Friedrichsfelde ist jetzt im Internetzeitalter. Auf der Homepage läuft ein Youtube-Film „Eisbär“, der steht da auf dem kahlen Felsen und schnüffelt herum. „Guck mal, wie Knut, ein Eisbär!“, freuen sich die Kinder. Der hat ja nichts zur Beschäftigung, keinen Baum, keinen Sand, ärgern sich die Kritiker. Wir modernisieren ihm jetzt das Gehege, da kommt eine Unterwasserscheibe hin, sagen die Tierparkbetreiber. Was wohl der Regierende Bürgermeister denkt?

Am heutigen Montag hat Klaus Wowereit (SPD) im Wahlkampf einen Termin im Tierpark, ein paar Mal war er schon da. Tierpark-Chef Bernhard Blaszkiewitz möcht ihn zu den Brillenbären, den Giraffen, zu den Kängurus und Elefanten und ins Alfred-Brehm-Haus führen, wo man bald auf Hängebrücken durch die Wipfel laufen kann. Noch wenden sich dort Besucher ab, wenn sie sehen, wie Raubkatzen sich bei der ewigen Hin-und-Her-Kehrtwende im Käfig die Ballen blutig laufen. Blaszkiewitz will ihnen bald die Außengehege vergrößern.

„Tierpark 2020+: Die hautnahe Reise durch die Evolution – Erlebniswelt Galapagos“ – auch über den Masterplan für den Verlustbringer Tierpark werden Wowereit und Blaszkiewitz sprechen. Es ist eine „erste Version“, denn das Leuchtturmvorhaben, das dem größten Landschaftstiergarten Europas jährlich bis zu 750 000 mehr Besucher bringen soll (jetzt sind es eine Million, im Zoo drei) – hat ein Volumen von 80 Millionen Euro.

So sollen etwa in einem neuen Gebäude neueste wissenschaftliche Erkenntnisse der Zoologie, der Humanmedizin, der Botanik und Ethnologie vermittelt werden – mit Laborplätzen, Computeranimationen, Filmen, Laserprojektionen. In einem Restaurant soll es sogar Webcam-Kontakte zu Forschungs- und Wildtierstationen auf der ganzen Welt geben. Zudem eine Unterwasserwelt für Seekühe, einen Erlebnisbauernhof, eine „Bootsfahrt zu den Rocky Mountains“, elektrische Taxis. Bis 2016 stehen etwa die Erneuerung der Steinadlervoliere und ein Südostasien-Haus auf dem Programm. „So ein Haus, auch mit Menschenaffen, den Borneo-Orang-Utans, wäre ein Attraktion“, sagt Blaszkiewitz. Er freut sich, dass im Parlament „unser Berichtsauftrag akzeptiert worden ist“. Die Finanzverwaltung bezeichnet das Konzept aber als „zu ambitioniert und zu kostenintensiv“.

Die Zukunft des Tierpark liegt den zuständigen Abgeordneten jedenfalls sehr am Herzen, so sehr, dass sie am Sonntag beim eigenhändigen Anbringen der Wahlplakate Kleber und Drahtrollen liegen ließen und von der Leiter an Lichtmasten hinabstiegen für die Auskunft am Handy. „Wichtig ist zu klären, wie und wann das Themenparkkonzept finanziert werden kann“, sagt Wowereits Parteigenosse Daniel Buchholz. „Ich wünsche mir viel bürgerschaftliches Engagement, und dass jene großen Firmen und Banken, die glanzvolle Gewinne einfahren, Flagge zeigen.“ Schulden machen und Eintrittspreise verdoppeln, „das geht in einer Stadt wie Berlin nicht.“ Die Grüne Claudia Hämmerling sagte, man dürfe über die „Zukunftsmusik“ nicht vergessen, die Haltungsbedingungen viel zu vieler Tieren auf engstem Raum zu verbessern.

Der Tierschutzbeauftragte des Senats, Klaus Lüdcke, sagte, „für mich ist Blaszkiewitz ein Messie, der mit seiner Sammelleidenschaft einen veralteten Menagerie-Gedanken verkörpert“. Statt meterweise Mäuse zu zeigen, sollten es ein paar besondere sein: Weniger Tiere bedeute auch weniger Kosten für Futter, Energie, Personal. Bei den Eisbären gibt sich Lüdcke provokativ fatalistisch. „Die sterben jetzt mit dem Klimawandel aus, die braucht man den Kindern gar nicht mehr zu zeigen.“

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