Berlin : Wowereit knurrt Knake-Werner an

Regierender Bürgermeister gegen gelockerte Maulkorbpflicht

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„Maulkörbe sind eine komplizierte Sache“, sagt Andrea Bortfeld aus der „Fressnapf“Filiale an der Weddinger Residenzstraße. Ein Kauf ohne Anprobe ist schier unmöglich. Maulkörbe sind nicht nur für Hund und Halter ein heikles Thema. Heidi Knake-Werner (PDS), die Gesundheitssenatorin, will den Maulkorbzwang für Kampfhunde lockern. Ein entsprechender Absatz im neuen Hundegesetz, das die Kampfhundeverordnung ablöst, wird vorbereitet. Doch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zeigt sich knurrig. Er will den „weitestgehenden Schutz der Bürger vor Kampfhunden“ gewährleisten. Und das bedeutet für ihn, den Maulkorbzwang beizubehalten.

Schon bellt Rainer-Michael Lehmann von der FDP-Fraktion zurück, der Maulkorbzwang sei ungerecht und der Regierende Bürgermeister habe wohl nichts wichtigeres zu tun, als seiner Gesundheitssenatorin ins Handwerk zu pfuschen. Gut sei die geplante Plakette, die Halter und Hund einer Prüfung unterziehe, um dann gezielt eine Maulkorbpflicht zu verschreiben. Aber die Senatorin müsse ihren Gesetzentwurf noch einmal überarbeiten, vier Hunderassen als gefährlich zu definieren, sei unsinnig. Wie berichtet, sollen künftig statt zwölf Rassen, die jetzt öffentlich Maulkorb tragen müssen, nur noch Pit-Bulls, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier als gefährlich eingestuft werden.

Der allgemeine und diskriminierende Maulkorbzwang, so Lehmann, solle nicht nur gelockert, sondern aufgehoben werden, „das ist der weitestgehende Schutz der Bürger“. Ins Gekläff haben sich alle Parteien eingemischt. Die Grünen wollen den Hundeführerschein, die CDU ist gegen die „Rasseliste“. Die PDS mag die Liste auch nicht, spricht aber von einem „Kompromiss“. Andreas Geisel (SPD), Lichtenberger Stadtrat für Umwelt und Gesundheit, zuständig für Fragen der Hundehaltung, will wie Wowereit keinen gelockerten Maulkorbzwang. Von der grünen Plakette als Hunde- und Halter-Tüv hält er nichts, weil sie seiner Ansicht nach schwer zu kontrollieren ist. „Die Leute, an die sich das Gesetz richtet, interessiert es sowieso nicht“, glaubt Andrea Bortfeld aus dem „Fressnapf“-Geschäft. Als in Hamburg vor drei Jahren ein Kind von einem Kampfhund zu Tode gebissen wurde, gab es in den Fachgeschäften einen Maulkorbboom. Nach eineinhalb Monaten war er vorbei.C.v.L.

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