Berlin : Wowereit kritisiert die Lufthansa

Großflughafen Schönefeld: SPD wirft der Fluglinie und der Bahn mangelndes Engagement vor

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat die Deutsche Lufthansa kritisiert, weil sie sich nicht um Flugverbindungen von Berlin auf andere Kontinente kümmere. „Eine große nationale Fluggesellschaft muss auch was für die Hauptstadt tun“, sagte Wowereit gestern auf der Klausurtagung der SPD-Abgeordnetenhausfraktion in Radebeul. Die Lufthansa solle sich nicht wie ein „Beamtenheimstätten-Verein“ verhalten. Während einer Diskussion über den künftigen Großflughafen in Schönefeld lobte der SPD- Spitzenmann die Flugunternehmen Delta und Continental, die ab Mai von Berlin aus direkt nach New York fliegen.

Schon Wowereits Amtsvorgänger Eberhard Diepgen hatte der Lufthansa unlängst mangelndes Engagement in Berlin vorgeworfen. In seiner Autobiografie hatte der Ex-Regierende die „sehr bedauerliche Zurückhaltung der Lufthansa“ bei der Anbindung der Hauptstadt an den internationalen Luftverkehr kritisiert.

Der Geschäftsführer der Flughafengesellschaft Schönefeld, Thomas Weyer, kündigte in Radebeul weitere Direktflüge „nicht in die USA, aber in den südostasiatischen Raum“ an. Dem Vernehmen nach wird zurzeit über Verbindungen nach Schanghai oder Peking verhandelt. Jetzt schon könne man von den Berliner Flughäfen 105 Ziele anfliegen. „So gut waren wir noch nie aufgestellt“, erklärte Weyer vor den SPD-Abgeordneten. Im Jahr 2011 würden in Berlin mindestens 22 Millionen Fluggäste abgefertigt. Dann wird der neue Flughafen in Schönefeld gerade fertig sein. Der Zeitplan für den zwei Milliarden Euro teuren Bau sei allerdings „extrem kritisch“. Weyer appellierte an die anwesenden Manager der Bahn, dass der Bahnhof unter dem künftigen Flughafen-Terminal pünktlich fertig sein müsse. „Sonst werden wir nicht in der Lage sein, das Projekt bis 2010 zu stemmen.“

Der Bahn-Bevollmächtigte Peter Debuschewitz versicherte, dass der Bahnhof 2009 fertig sein werde. Eine Shuttle-Verbindung von Berlin nach Schönefeld alle 15 Minuten werde es dann aber noch nicht geben. Einige SPD-Abgeordnete waren enttäuscht über diese Auskünfte. Es bestehe die Gefahr, dass der Großflughafen zur Eröffnung hauptsächlich über die Autobahn erreichbar sei, wurde kritisiert. Die Bahn müsse „mehr draufsatteln“. Bildungssenator Klaus Böger erinnerte an die geplante Bahnverbindung von Berlin nach Leipzig in 59 Minuten. Dort gebe es auch einen Flughafen, und das wäre doch für die Hauptstadt eine „große Herausforderung“. Flughafen-Geschäftsführer Weyer sieht diese Gefahr nicht. „Es wird nie dazu kommen, dass der große Flugverkehr nach Leipzig anstatt nach Berlin geht.“

Sehr unzufrieden war die SPD-Fraktion gestern mit den Auskünften der Bahnmanager Debuschewitz und Joachim Trettin über die Verbesserungen im Schienenverkehr nach Polen. Die hohen Erwartungen, die an die EU-Ost-Erweiterung geknüpft worden seien, hätten sich bisher nicht erfüllt, sagte Trettin. Die Auslastung der Züge nach Warschau liege bei 15 bis 23 Prozent. Ab Mai würden aber wieder Wochenendzüge nach Stettin und Swinemünde angeboten. Langfristig, so die Bahn-Vertreter, werde Warschau in fünf Stunden, Stettin in anderthalb und Prag in gut drei Stunden auf der Schiene erreichbar sein.

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