Berlin : Wowereit lernt im Heiligen Land, wie Integration funktioniert

In einer Jerusalemer Schule sitzen israelische neben arabischen Kindern

Ulrich Zawatka-Gerlach

„Shalom, ich bin der Klaus!“ Mit diesen Worten trat gestern früh Berlins Regierender Bürgermeister vor die Klasse im Süden von Jerusalem, in einer Schule mit israelischen und arabischen Kindern. „Hand in Hand“ heißt das Modell, das unter anderem von der Schweizer Regierung, deutschen Stiftungen und der Aktion „Ein Herz für Kinder“ mitfinanziert wird. Die Jerusalem Foundation, gegründet vom ehemaligen Jerusalemer Bürgermeister Teddy Kollek, hat segensreich gewirkt.

Luna Kamm ist Lehrerin an der Schule; sie ist vor neun Jahren aus Deutschland eingewandert. Sie stammt aus Süddeutschland und hat in Berlin, Prenzlauer Berg gewohnt, bevor sie nach Israel kam. Sie unterrichtet auf Hebräisch, aber in jeder Unterrichtsstunde ist jeweils ein Ko-Lehrer da, der mit den Schülern arabisch spricht. Die Mädchen und Jungen lernen so beide Sprachen, manche bringen aus dem Elternhaus noch andere Idiome mit.

„Die Kinder sind stolz auf ihre Schule und kommen gern hierher“, erzählt Frau Kamm. Der Zulauf sei groß, und die Schüler kämen nicht etwa aus einer „ideologisch-elitären“ häuslichen Umgebung. Manche Eltern seien Arbeiter, andere Hochschullehrer. Das Schulgeld sei nicht hoch, die Kinder bekommen in der Schule Mittagessen und bleiben bis nachmittags.

Und nun schauen sie neugierig auf den Herrn im dunklen Anzug, der fragt: „Habt ihr ein Lied, das ihr singen könnt?“ Das machen sie gern; das Wort Berlin kommt mehrmals vor, und an der großen Tafel steht – auf Arabisch und Hebräisch – auch etwas über Berlin. Die Gäste brauchen, um das zu erkennen, dafür die Hilfe der Dolmetscher. Ausnahmsweise steht eine Mutter mit in der 4. Klasse, Bettina Steiner, die vor 17 Jahren nach Israel kam. „Wir haben viel mehr alltägliche Kontakte zu arabischen Familien als andere Israelis“, sagt sie. „Die Kinder wachsen ohne Angst vor dem arabischen Umfeld auf, sie verlernen die Angst.“

Bettina Steiner hat zwei Kinder auf der Schule, die jüngere Tochter noch im Kindergarten, denn der gehört dazu. „Bilingual, multikulturell“ – so wirbt diese Einrichtung für sich, die nicht nur von ausländischen Sponsoren, sondern auch vom Erziehungsministerium in Jerusalem gefördert wird. In Galiläa und im arabischen Dorf Kfar Kara gibt es zwei weitere Schulen, die diesem Konzept folgen. Mit guten Ergebnissen, berichten Lehrer und Eltern.

„Natürlich streiten sie sich auch mal“, sagt Luna Kamm. Aber nicht deshalb, weil der eine jüdische und der andere arabische Wurzeln hat. Etwa 30 Lehrer, darunter die Schwester des neuen Chefs der Arbeiterpartei, Amir Peretz, unterrichten hier 310 Schüler. Klaus Wowereit ist beeindruckt. „Kinder kennen eben keine Grenzen“, meint er. Noch lernen sie in einem fast fensterlosen und etwas verwahrlosten Containerbau. Aber für das neue Schulgebäude mit einem wunderbaren Blick auf die Hügel der Stadt, werden jetzt bereits die Fundamente gelegt.

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