Berlin : Wowereit: Muslime müssen sich integrieren

Nach Mord an Türkin suchen Politiker nach Ideen für besseres Zusammenleben. Heute Mahnwache

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Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) fordert die in Berlin lebenden Muslime auf, sich stärker zu integrieren. Die deutsche Gesellschaft müsse sich offen gegenüber Einwanderern zeigen, aber auch Forderungen an ausländische Gruppen stellen, sich zu integrieren, sagte Wowereit gestern der Nachrichtenagentur dpa. „Diejenigen, die gekommen sind, müssen den Willen zeigen, sich integrieren zu lassen.“

Die aktuelle Debatte über Integration, die nach dem Mord an der türkischstämmigen Berlinerin Hatun Sürücü vor zwei Wochen eine neue Dynamik bekommen hat, hält Wowereit für „hilfreich“, wie Senatssprecher Michael Donnermeyer dem Tagesspiegel sagte. Auch habe der Schulleiter der Thomas-Morus-Schule aus Wowereits Sicht richtig gehandelt. Der Pädagoge hatte, wie berichtet, kürzlich öffentlich gemacht, dass drei seiner Schüler den Mord gutgeheißen hatten. Drei Brüder der Frau sitzen unter dem Verdacht, die Tat wegen angeblich verletzter Familienehre begangen zu haben, in U-Haft.

Im Gedenken an Hatun Sürücü findet heute eine Mahnwache an der Bushaltestelle in Tempelhof statt, wo die Frau am 7. Februar erschossen worden war. „Diese Mahnwache ist wichtig, um zu zeigen, wie stark der Mord die Berliner berührt“, sagte der Integrationsbeauftragte des Senats, Günter Piening. Er regte an, den 7. Februar künftig als Gedenktag für die Opfer von Gewalt gegen Frauen zu nutzen. Als ein besonderes Phänomen unter Muslimen mag Piening den Mord und dessen Billigung durch Schüler nicht bewerten. Das sieht auch der Islamrat so, der Dachverband von 32 muslimischen Verbänden. „Ein Ehrenmord hat mit dem Islam nichts zu tun“, sagte der Ratsvorsitzende Ali Kizilkaya. Selbstjustiz sei weder durch den Koran noch durch die islamische Tradition legitimiert.

Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) forderte anlässlich der Mahnwache „alle Organisationen türkischstämmiger Berliner/-innen sowie islamische Organisationen auf, öffentlich aktiv gegen Gewalt gegen Frauen und sozialen Druck wegen anderer Wertvorstellungen Stellung zu beziehen“. Der TBB veranstaltet am Freitag einen Runden Tisch, sagte Sprecher Safter Cinar. Der Leiter der Thomas-Morus-Schule, Volker Steffens, ist eingeladen, ebenso Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, Bildungsstaatssekretär Thomas Härtel, der Ausländerbeauftragte sowie Vertreter des Landeskriminalamtes. Eine bessere Zusammenarbeit von Verwaltung, Politik und muslimischen Gruppen forderte der migrationspolitische Sprecher der PDS, Giyasettin Sayan. Er hat nach eigenen Angaben in seiner Familie wiederholt bei Beziehungskonflikten vermittelt und dadurch so genannte Ehrenmorde verhindert. „Wir brauchen eine Arbeitsgruppe mit Hilfe des Senats“, sagte Sayan. lvt/kög

Mahnwache im Gedenken an Hatun Sürücü, heute um 12.30 Uhr an der Bushaltestelle Oberlandgarten (Oberlandstraße 20) der Linie 246, Tempelhof.

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