Berlin : Wowereit will Ehrengrab für Helmut Newton

Der Regierende nennt ihn einen „großen Sohn der Stadt“. Ob es zu der Würdigung kommt, hängt vom Vermächtnis des toten Fotografen ab

Christoph Stollowsky

Berlin will den tödlich verunglückten Starfotografen Helmut Newton mit einem Ehrengrab würdigen. Das hat der Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit (SPD), am Montagnachmittag entschieden. Man wolle der Familie des in Berlin aufgewachsenen „großen Sohnes der Stadt“ ein Grab anbieten, das seiner engen Beziehung zu Berlin gerecht werde, erklärte gestern ein Sprecher der Senatskanzlei. Ob Newton tatsächlich auf einem Berliner Friedhof seine letzte Ruhe findet, hängt nun davon ab, was er selbst verfügt hat und wie sich seine Frau June entscheidet. Wowereit will versuchen, dies baldmöglichst herauszufinden.

Der 83-jährige weltberühmte Fotograf war in der Nacht zum vergangenen Sonnabend bei einem Autounfall in Hollywood ums Leben gekommen. Kurze Zeit vorher hatte er sich noch in Berlin aufgehalten, um Absprachen zur Eröffnung seines künftigen Museums in der Jebensstraße 3 am Bahnhof Zoo zu treffen. Dort sollen vom 3. Juni dieses Jahres an rund 1000 Newton-Fotografien gezeigt werden, die ihr Schöpfer dem Land Berlin als unbefristete Dauerleihgabe überlassen hat. Einen entsprechenden Vertrag haben Newton und der Träger des Museums, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, im Oktober vergangenen Jahres unterzeichnet.

Der Kunstsammler und Berliner Kunstmäzen, Heinz Berggruen, freute sich gestern über Wowereits Initiative. „Ein Ehrengrab für Newton – das ist sehr schön.“ Berggruen war mit dem toten Fotografen zwölf Jahre lang eng befreundet und hatte ihn auf das Haus am Bahnhof Zoo hingewiesen, das zuletzt als Kunstbibliothek genutzt wurde und in dem nun die 1000 Newton-Fotos als Mittelpunkt einer Ausstellung des Deutschen Centrums für Photographie (DCP) gezeigt werden sollen. Ähnlich wie Berggruen äußerten sich gestern auch etliche Berliner Galeristen und Politiker. Die Vorsitzende des Kulturausschusses im Abgeordnetenhaus, Alice Ströver (Grüne) erklärte: „Newton hat uns eine wertvolle Sammlung zu Lebzeiten vermacht. Das ist doch ein Signal für seine tiefe Verbundenheit mit der Stadt.“ Bisher gibt es 814 Ehrengräber in Berlin, deren Schmuck und Pflege das Land bezahlt – beispielsweise für Heinrich Zille, Marlene Dietrich oder Rudi Dutschke.

Ein Kondolenzbuch liegt zurzeit nicht aus. Das sei nicht vorgesehen, hieß es gestern in der Senatskanzlei und bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Auch im Newton-Café am Gendarmenmarkt, das sich mit dem berühmten Namen und mit großformatigen Aktfotos aus Newtons Studio schmückt, herrschte gestern normaler Betrieb. Man plane keine Gedenkveranstaltung oder eine besondere Ausstellung, sagten die Betreiber.

Helmut Newton war am 31. Oktober 1920 als Sohn eines jüdischen Knopffabrikanten in der Innsbrucker Straße 24 in Schöneberg zur Welt gekommen. In Charlottenburg ging er zwei Jahre bei einer Fotografin in die Lehre, bevor er 1939 nach Singapur fliehen musste. „Die Nazis haben ihn vertrieben, dennoch hat er seine Heimatstadt mit seinem Werk so großzügig beschenkt“, sagte der Regierende Bürgermeister in einer ersten Reaktion zu Newtons Tod. Auch deshalb will ihm Wowereit ein Ehrengrab geben.

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