Berlin : Wowereits Abschied

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„Hallo, treten Sie nicht in die Farbeimer“, ulkte Conférencier Thomas Hermanns von der Bühne herunter. Für den Intendanten des neuen Quatsch Comedy Clubs im Souterrain des Friedrichstadtpalastes war sein kurzer Auftritt eine Generalprobe: Schließlich wird er am Sonnabend hier seine Komikerrevue eröffnen. Noch am Mittag sei gemalert worden, rief er, also bitte nicht an die Wände lehnen. Auch Gastgeber Klaus Wowereit (blendend gelaunt und mit vollbärtigem Lebensgefährten Jörn Kubicki) hat mitgelacht.

Für Wowereit war dieser Abend ein Abschied. Weil am 31. Oktober sein Jahr als Bundesratspräsident zu Ende geht, hatte er am Montagabend insgesamt 300 Helfer und Kollegen eingeladen, um sich für die Zusammenarbeit zu bedanken. Seit 1984 ist das so Sitte und fällt mitunter ziemlich pompös aus. Einmal hatte Kurt Biedenkopf sogar ein Symphonieorchester spielen lassen. Angesichts der Tatsache aber, dass nicht etwa die Fetenkasse des Bundesrates für Wein, Büfett und Saalmiete aufkommt, sondern das verarmte Land Berlin, war Wowereit bescheidener gewesen und hatte sich für die frisch sanierte Bühne mit dem Glitzervorhang und ein Konzert mit Gayle Tufts entschieden.

Seltsamerweise waren an den Tischchen im schummrigrot erleuchteten Saal mehr konservative denn sozialdemokratische Gäste zu erkennen: zum Beispiel Brandenburgs Kultusministerin Johanna Wanka (CDU) und die CDU-Bundestagsabgeordneten Verena Butalikakis und Günter Nooke. Wie die Lästermäuler in der Muppetshow hatte sich CDU-Landeschef Christoph Stölz in einer kleinen Seitenloge niedergelassen. „Entschuldigung, können Sie erkennen, wo die Gabi Schöttler von der SPD sitzt?“ fragte einer den Türsteher.

Es sei schon ein turbulentes Jahr gewesen, meinte Wowereit. Zumindest ein Jahr lang wird er nun mehr zu lachen haben. Denn solange darf er als Besitzer der Goldenen Quatsch-Comedy-Karte kostenlos rein. rcf

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