Berlin : Wowereits Wahlverwandtschaften

Jedes Jahr empfängt der Regierende Bürgermeister seine Patenkinder Das Rote Rathaus wurde gestern Nachmittag zur Kita

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Erst sollten es Zwillinge werden, da war Familie Düzgün aus Kreuzberg schon überrascht, denn sie hatte bereits zwei Töchter. Eine Woche später korrigierte die Ärztin: drei Jungs. Am 2. Juni dieses Jahres kamen sie zur Welt, seither haben die Eltern keine freie Minute mehr. „Die ersten zwei Monate waren sehr anstrengend, jetzt schlafen sie nachts schon ein bisschen länger“, sagte der Vater. Deshalb freute er sich, dass er und seine Frau gestern wenigstens zwei Stunden entspannen konnten. Im Wappensaal des Roten Rathauses übernahm Klaus Wowereit die Patenschaft für ihre Söhne Ali Can, Deniz Cam und Hasan Hüsein. Und gab dafür eine Party bei Kaffee und Kuchen.

Für drei Drillingspaare aus drei Familien übernahm der Bürgermeister nun die Patenschaft. Damit ist die Zahl seiner Wahlnichten und -neffen auf 27 gestiegen. Seit 2003 können sich Eltern von Mehrlingsbabys schriftlich bei ihm darum bewerben, zehn haben das bislang getan. Am 5. Dezember lädt er dann alle zu sich ein, überreicht den Neulingen Urkunden, Blumensträuße und ein paar Geschenke. Ein vorgezogener Nikolaus, immerhin. Denn außer der alljährlichen Feier entstehen keine weiteren Verpflichtungen für den Regierenden.

Es sei schön, die Kinder groß werden zu sehen, sagte Wowereit. Der Reihe nach setzte er sich zu den Familien, erkundigte sich nach dem Befinden seiner Patenkinder, von denen die ältesten ihn „Onkel Klaus“ nennen. Nicht immer sind es heitere Gespräche, denn einige der Kinder haben gesundheitliche Probleme. Manche hätten sogar nur wenige Monate überlebt, sagte Wowereit. „Für die Eltern ist die symbolische Patenschaft ein kleiner Trost.“ Im Umgang mit den Kleinen zeigte er sich allerdings etwas unbeholfen. Nur zögerlich hob er die einjährige Veronik auf seinen Schoß – und war froh, als der Vater ihm das Mädchen beim ersten Schreien wieder abnahm. Wowereits Erkenntnis: „Das Schöne ist ja: Man kann fremde Kinder wieder abgeben.“ hey

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