Berlin : Wüstenfüchse

Andreas Conrad

Eisbär im Zoo müsste man sein. Zwar hätte Gefrorenes im Bassin, schneeweiße Schollen zum Herumtollen beispielsweise, momentan keine große Überlebensdauer, aber wir könnten zumindest nach Lust und Laune, wann immer es uns beliebt, im lauwarmen Nass herumplanschen. So weit wollen wir Menschen gar nicht gehen, auch ein Bademeister hat Anspruch auf Feierabendbier, aber etwas länger, so wünscht sich mancher Badegast beim Blick aufs Thermometer, könnten die Freibäder ihre Becken schon offen halten, zumindest in diesen Hundstagen. Es scheint, als sei es so weit, als würden also die Bemühungen der Bäderbetriebe nicht erst bei ersten Schneeflocken zu einem Ergebnis führen. Gleichwohl fragt man sich, warum diese Bemühungen offenbar erst nach wochenlanger Hitze erfolgreich wurden, man nicht bereits 2003 nach einer dauerhaften Lösung fahndete, als wir uns schon einmal in einem Jahrhundertsommer wähnten. Oder noch früher, als Klimaforscher dauerhaft tropische Wetterlagen in Mitteleuropa prognostizierten. Als wahrscheinlich wurde, dass wir uns hier bald nie wieder als Eisbär fühlen würden, sondern nur noch als Wüstenfuchs.

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