Wuhlheide : Erweitertes Führungszeugnis soll vor Missbrauch schützen

Oft sind Menschen, die Kinder missbrauchen, Wiederholungstäter. Um Missbrauchsfälle wie bei der Parkeisenbahn zu erschweren, lässt Innensenator Ehrhart Körting nun ein erweitertes Führungszeugnis prüfen.

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Angesichts der Missbrauchsfälle bei der Parkeisenbahn Wuhlheide diskutieren Politik und Sport über einen wirksameren Kinderschutz in Vereinen und Freizeiteinrichtungen. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) kündigte Montag an, sich dafür einzusetzen, dass Menschen, die mit Jugendlichen arbeiten, künftig ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen müssen.

Bislang gilt dies nur für Mitarbeiter von Einrichtungen und Vereinen, die direkt den Bezirken unterstehen, eng mit ihnen zusammenarbeiten oder von ihnen finanziert werden, wie Angelika Schöttler (SPD), Jugendstadträtin von Tempelhof-Schöneberg, sagt. Körting will nun prüfen lassen, auf welchem Wege auch andere Vereine und Organisationen, die vom Bezirk unabhängig sind, zu dieser Kontrolle ihrer Mitarbeiter verpflichtet werden können. Einen entsprechenden Antrag will das Land Berlin am Donnerstag und Freitag auf der Sportministerkonferenz von Bund und Ländern einbringen, sagte Körtings Sprecherin, Nicola Rothermel-Paris. Ein erweitertes Führungszeugnis führt neben Freiheitsstrafen auch andere „strafrechtliche Auffälligkeiten“ auf. Da man es bei Missbrauchsfällen oft mit Wiederholungstätern zu tun habe, könnte man so das Risiko verringern, dass Menschen sich in Vereine und Freizeiteinrichtungen begeben, um hier potenzielle Opfer zu finden.

Nach Angaben von Jugendstadträtin Schöttler ist ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis seit diesem Jahr verpflichtend für alle Mitarbeiter von Jugendämtern, freien Träger von Kitas und anderen Einrichtungen sowie Sportvereinen, die mit den Bezirken zusammenarbeiten. Auf privat organisierte Vereine, die der Staat nicht finanziert, habe man aber bislang keinen Zugriff. Ob dies zum Beispiel durch eine Reform des Vereinsrechts geändert werden kann, will Körting nun prüfen lassen. Das nach den Vorstellungen des Innensenators künftig für alle Vereine erforderliche Führungszeugnis soll kostenfrei sein – was wie berichtet bisher nicht der Fall ist. Eine neue Anweisung des Bundesamtes für Justiz, von Trainern eine Gebühr für die Ausstellung eines erweiterten Führungszeugnisses zu verlangen, erregt deswegen weiterhin Kritik im Sport. Berliner Sportvereinen wird vom Landessportbund empfohlen, erweiterte Führungszeugnisse von Jugendtrainern zu verlangen, um pädophile Täter zu entdecken. Das Land Berlin hat die Bürgerämter darauf hingewiesen, auf die Gebühr zu verzichten. In Brandenburg aber ist das noch nicht der Fall.

Das Bundesamt für Justiz will trotz der Kritik nicht von der Gebühr absehen. „Wir bleiben grundsätzlich bei unserer Richtlinie für die Gemeindeämter, können aber im Einzelfall sicherlich einen Erlass der Kosten prüfen“, sagte Peter Hase, Referatsleiter im Bundesamt, dem Tagesspiegel. Wie berichtet, hat das Amt eine Richtlinie erlassen, nach der Übungsleiter 13 Euro für ein erweitertes Führungszeugnis zu zahlen haben. In der Verordnung heißt es: „Wird für eine ehrenamtliche Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung gezahlt, kommt eine Gebührenbefreiung nicht in Betracht.“ Landessportbundchef Klaus Böger findet dies angesichts der geringen Aufwandsentschädigung für Trainer von 50 bis 100 Euro im Monat „empörend“, Sportvereine beklagen eine Behinderung des Kinderschutzes. Das Amt rät den Klubs, Trainern die Gebühren zu erstatten.

Bei regelmäßigen Überprüfungen seiner Trainer kommt ein mittelgroßer Verein auf etwa 20 Führungszeugnisse im Jahr. In Berlin haben sich bereits 100 Vereine zu diesem Prozedere selbstverpflichtet. „Da alle großen Klubs der Stadt dabei sind, haben wir schon etwa die Hälfte aller Vereinsmitglieder abgedeckt“, sagt Heiner Brandi, der beim Landessportbund für Kinderschutz zuständig ist. Gemeinsam mit der Senatsverwaltung erarbeitet er gerade einen Leitfaden für alle Sportvereine. Darin wird sowohl die Rechtslage beim sexuellen Missbrauch erklärt, als auch über mögliche Täterstrategien und Opferberatung aufgeklärt. Die Broschüre soll noch in diesem Jahr an alle Vereine in Berlin verteilt werden.

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