Wuhlheide : Missbrauch: Senat setzt Parkeisenbahn ein Ultimatum

Nach dem Missbrauchsskandal bei der Parkeisenbahn Wuhlheide muss der Betreiber ein pädagogisches Konzept vorlegen – sonst wird die Unterstützung gestrichen.

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Unter Reformdruck. Bis Mitte November soll die Parkeisenbahn ein pädagogisches Konzept vorlegen, fordert der Senat.
Unter Reformdruck. Bis Mitte November soll die Parkeisenbahn ein pädagogisches Konzept vorlegen, fordert der Senat.Foto: Davids/Darmer

Die Kinderschutzbeauftragte des Bezirks Treptow-Köpenick geht davon aus, dass die Zahl der Missbrauchsopfer durch frühere Mitarbeiter der Parkeisenbahn Wuhlheide größer ist als bislang bekannt. „Es ist anzunehmen, dass es noch sehr viel mehr betroffene Kinder gibt“, sagte die bezirkliche Kinderschutzkoordinatorin Barbara Stark dem Tagesspiegel. Erfahrungsgemäß gebe es bei Betroffenen eine große Scham, sich anderen Menschen anzuvertrauen. „Ich gehe davon aus, dass sich durch die aktuellen Presseveröffentlichungen noch mehr Kinder oder junge Männer melden, die Ähnliches erlebt haben“, sagt Stark. Dafür, dass es auch weitere Täter als bislang bekannt gibt, gebe es aber bisher keine Indizien.

Wie berichtet, sind zwei Mitarbeiter der Köpenicker Anlage, die vorwiegend von Kindern und Jugendlichen mit Unterstützung erwachsener Freiwilliger betrieben wird, bereits verurteilt, gegen sieben weitere Männer wird ermittelt. Sie sollen im Zeitraum zwischen 2000 und 2010 Jungen sexuell missbraucht haben.

Bislang gebe es keine konkreten Hinweise darauf, dass es davor noch mehr Übergriffe gegeben hat, die möglicherweise von anderen – auch ehemaligen – Mitarbeitern begangen wurden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Er wies zugleich Vorwürfe zurück, wonach die Ermittlungsbehörden die Öffentlichkeit bereits bei Bekanntwerden des Ausmaßes der Taten im Herbst 2010 hätten informieren sollen. „Die Öffentlichkeit zu informieren ist nicht unsere Aufgabe“, sagte Steltner. „Die Ermittler haben die Geschäftsführung mit den Vorwürfen konfrontiert, die hat gehandelt und die fünf noch bei der Parkeisenbahn Verdächtigen gekündigt.“ Dazu waren die Ermittler laut Anordnung auch verpflichtet. „Werden in einem Strafverfahren Tatsachen bekannt, deren Kenntnis zur Abwehr einer entstehenden Gefährdung von Minderjährigen erforderlich ist, dann sind diese Tatsachen den öffentlichen Stellen zu übermitteln“, heißt es da.

So können beispielsweise Schul- oder Heimleitungen sofort reagieren. Die Geschäftsführung der privat organisierten Parkeisenbahn hat im Herbst 2010 wie berichtet auch die Eltern der minderjährigen Mitglieder und die Senatsverwaltung für Bildung unterrichtet. Diese sah aber keine Veranlassung, die Öffentlichkeit zu informieren, sagte deren Sprecher Christian Walther. Es sei die Entscheidung der Ermittler, ob sie aus Präventionsgründen die Medien über ein laufendes Verfahren informieren.

Die Bildungsverwaltung, die für die Kinder- und Jugendarbeit bei der Parkeisenbahn bislang 15 800 Euro jährlich bereitstellt, hat der Betreibergesellschaft ein Ultimatum für eine pädagogische Reform gesetzt: Bis zum 15. November muss ein pädagogisches Konzept vorliegen, eine pädagogische Fachkraft ist einzustellen, und es muss mit einem Träger der Jugendarbeit eine Zusammenarbeit vereinbart werden, zum Beispiel dem benachbarten, aber formal komplett unabhängigen Freizeitzentrum FEZ. Nach Angaben von Parkeisenbahn-Chef Ernst Heumann führe man entsprechende Gespräche. Werden die Bedingungen nicht erfüllt, stellt die Senatsverwaltung die Zahlung ein, sagt Walther.

Seit der Wende hatte die pädagogische Betreuung nicht im Fokus der Vereinsarbeit gelegen, erklärt einer der Ex-Geschäftsführer, der nicht genannt werden möchte. Nach 1990 sei es vor allem um die Erhaltung des Fahrbetriebs gegangen, der auf der Kippe gestanden habe. Nach der Privatisierung habe es eine Vielzahl wechselnder ehrenamtlicher Geschäftsführer gegeben. Sowohl die beiden Verurteilten als auch einige der Beschuldigten kenne er. „Sie sind als Jugendliche zu uns gekommen.“ Kleinere gemeldete Zwischenfälle habe es bereits Ende der 90er Jahre zwischen den Jungen gegeben, die er jedoch einer „pubertär überschäumenden sexuellen Entwicklung“ zuschreibt. Man sei den Vorwürfen nachgegangen, habe diese jedoch nie erhärten können.

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