Berlin : Wunde Kehlen

Die Fans warteten sehnsüchtig auf Tokio Hotel

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Die Jungs spielten zwar erst am Abend im Velodrom, aber schon um die Mittagszeit kreischten und sangen sich ihre Fans in Stimmung. Die Namen von Bill, Tom, Gustav und Georg fanden sich auf Bäuchen und Rücken, und eben da, wo Platz für Tokio Hotel ist. Eins ums andere Mal stimmten die Fans – fast ausnahmslos Mädchen – Sprechchöre an. Einige Gesichter in der Menge wirkten bereits erschöpft, lange bevor der erste Akkord erklang. Manche Mädchen waren offenbar so kaputt, dass sie trotz des Geschreis noch ein wenig zu schlafen versuchten. Kein Wunder, hatten die ersten doch schon am Dienstag ihre Zelte aufgeschlagen. Die Mädels passen auf einander auf, Drängler werden sofort dem Ordner gemeldet. Jeder kennt seine Nachbarn im eingezäunten Areal von wenigen Quadratmetern.

Seit Mittwoch harren auch Jenny, Nicole und Charly bereits aus. Der Preis für einen Platz ganz vorne ist eine kurze Nacht: Kaum zwei Stunden hat das Trio aus Berlin geschlafen. „Es war ganz schön kalt hier“, sagt Nicole. Ihre Freundinnen und sie wirken im Gegensatz zu anderen noch erstaunlich fit. Mit Herumgehen, essen, trinken und quatschen vertreiben sie sich die Zeit. Ein paar Mädels aus Finnland hätten sie dabei kennengelernt, und die Verständigung klappte auch ganz gut. Na ja, und ein bisschen Zickenkrieg gab es in der Schlange auch. Schließlich will der Platz verteidigt sein. Aber alles in allem, so finden die Mädchen aus Berlin, sei die Stimmung gut. Man sei ja unter Gleichgesinnten. Die 18-jährige Nicole hat sich extra zwei Tage wegen des Konzerts freigenommen. Ihre Freundin Jenny ist offiziell krankgeschrieben. Überhaupt scheinen viele in der Schlange von einem plötzlichen Leiden genesen zu sein: Auch Janina aus Mecklenburg-Vorpommern hat sich in der Schule krankgemeldet – mit Wissen der Eltern. Auch Anjana kommt aus einem toleranten Zuhause: Die 14-Jährige steht mit ihrer Mutter vor dem Velodrom: „Da geh’ ich doch lieber gleich selber und weiß, wo mein Kind steckt“, sagt die 40-Jährige, die Tokio Hotel mittlerweile auch ganz gut findet. Mit der Begründung „Halsschmerzen“ hat sie ihre Tochter nicht zum Unterricht geschickt. Ist ja noch nicht einmal geflunkert: Vom vielen Schreien haben die meisten schon ganz wunde Kehlen. cam

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