Berlin : Wunschkandidat

Stephan Wiehler

Weltoffenheit und Toleranz, das waren bisher Lebensmaximen, die sich als politisches Programm in dieser Stadt vor allem einer auf den Leib geschrieben hatte: Klaus Wowereit. Der Regierende Bürgermeister, der sich zu seiner Homosexualität bekennt und auch schon mal Lack- und Lederfetischisten mit einem Grußwort beglückt, steht wie kein anderer für großstädtische Lebensart, fürs libertäre laissez vivre . In der Single-Hauptstadt zeigt Wowereit selbst für abseitige Lebensentwürfe Sinn: In einem Interview bedauerte er, nie Vater geworden zu sein.

In der Aufholjagd um Metropolentauglichkeit hat die Berliner CDU jetzt Boden gut gemacht. Spitzenkandidat Friedbert Pflüger wird Vater – ohne Trauschein. Zum zweiten Mal ist seine Lebensgefährtin schwanger, ein „Wunschkind“, verrät Pflüger einer Boulevardzeitung. Berlins Christenunion verhilft der in Scheidung lebende Spitzenkandidat so zum überfälligen Modernisierungsschub, den die Bundes-CDU mit ihrer einmal geschiedenen Kanzlerin und einem eheflüchtigen Ex-Generalsekretär schon hinter sich hat.

Pflügers kleiner Wunschkandidat soll übrigens rechtzeitig vor der Abgeordnetenhauswahl zur Welt kommen. Herr Wowereit, adoptieren Sie!

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